Texte und Dokumente

Was wäre, wenn wir die Aussagen von Giacobbo/Müller als prophetische Stimme hören würden? Propheten dürfen und sollen provozieren. Denn die Provokation will etwas hervorrufen. Propheten dürfen sogar auf den Mann und unter die Gürtellinie zielen. Wer meint, dass sei unchristlich, lese den Propheten Amos oder die Kritik am Volk Gottes im 16. Kapitel bei Ezechiel. Propheten waren immer unbequem. Sie eckten an, polarisierten und waren selten beliebt. Sie störten alle, die es sich in der Komfortzone des Glaubens zu gemütlich gemacht hatten. Sie deckten Missstände auf, enttarnten Lauheit und machten auf Irrwege aufmerksam.

Vielleicht ist das auch heute so. Nein, nicht vielleicht. Es muss so sein, dass es auch heute noch prophetische Stimmen gibt, durch die Gott zu uns spricht! Denn unser Gott ist der Ich-bin-da (Ex 3,14). Er ist der Gott, der uns versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage.“ (Mt 28,20) Gott ist präsent und wirksam. Durch Stimmen, die uns überraschen, uns stören und vielleicht auch mal verletzen.

Giacobbo/Müller als prothetische Stimme? Das klingt schon wieder provokant. Das hiesse nämlich, Gott will uns etwas sagen, durch die Satire, die uns trifft. Das hiesse dann auch: Nicht auf die Substanz des eucharistischen Brotes zielt die Kritik. Die Kritik sagt nichts über Gott. Sie zielt auf uns! Wir bekommen vor Augen geführt, dass wir ein Relevanzproblem haben. Man nimmt uns nicht mehr ernst. Da sind nicht die anderen schuld. Wir ernten, was wir selbst gesät haben.

Unsere zunehmende Bedeutungslosigkeit resultiert daraus, dass wir es verlernt haben klar und deutlich zu sprechen; zu erklären, was Christen glauben. Wer heute einen Gottesdienst besucht, bekommt nicht selten Floskeln zu hören oder Banalitäten. Es ist eine Mischung aus Unfähigkeit und Mutlosigkeit, das weiter zu sagen, was wir vom Evangelium verstanden haben und es so zu sagen, dass Menschen verstehen können, dass diese Botschaft seriös, anspruchsvoll und lebensrelevant ist.

Das gilt besonders für die Sakramente und allem voran für die Eucharistie. Komplexe Inhalte sind eben nicht einfach auf Kinderniveau erklärbar. Das kann und das will niemand hören. Hier rauben wir der Substanz ihre Relevanz. Die Satire von Giacobbo/Müller spiegelt nur wider was wir produzieren.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Wir kommen im öffentlichen Raum noch vor. Und wenn es in der Satire ist. Wir sind noch nicht ganz vergessen. Es ist noch Zeit den Schalter umzulegen, Position zu beziehen und Format zu zeigen. Deutlich zu machen, dass nicht alles gleich-gültig ist und dass weder der Glaube, noch das Leben ein Kinderspiel sind.

Wenn Giacobbo/Müller unsere Wandlung nicht ernst nehmen, dann wird es Zeit, dass wir uns wandeln. Sonst stimmt auch heute, was Gott schon durch den Propheten Jeremia ausrichten liess: „Der Herr hat immer wieder alle seine Propheten, zu euch gesandt. Ihr aber habt nicht gehört.“ (Jer 25,4)

Christian Kelter
(Beitrag erschienen unter "Hostie - kein wesentlicher Glaubensinhalt?" im Pfarreiblatt – Katholische Kirche Zug, Nr. 41/42 2016)

Bild: Regina Kelter