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«Der Pfarrer von Hünenberg»

30 Jahre lang war Markus Fischer Pfarrer der Pfarrei Hünenberg. Viel hat ihm die Pfarrei und ganz Hünenberg zu verdanken. Er legte als erster (und einziger) Pfarrer das Fundament für die so lebendige Glaubensgemeinschaft vor Ort und war gleichzeitig für die Hünenberger eine wichtige und geschätzte Bezugsperson und für viele ein guter Freund. Am 9. März 2018 ist Markus Fischer im Alter von 80 Jahren gestorben. Voll Dankbarkeit für seine Verdienste und mit grosser Anteilnahme haben wir uns am 19. März 2018 von ihm in einem würdigen Trauergottesdienst verabschiedet. Wir werden ihn in lieber Erinnerung behalten.

«Lebenslauf (verfasst von Klaus Meyer)»

Liebe trauernde Angehörigen, liebe Trauergemeinde.
Markus hat mich vor gut einem Jahr gebeten, an seiner Beerdigung ein paar gute Worte über ihn zu sprechen. Ich versprach es ihm. Und als Christian Kelter aus dem gleichen Grund anfragte, da war es eine Selbstverständlichkeit.
Es war ein Donnerstag, jener 30. September des Jahres 1937.

In der Schulhauswohnung im luzernischen Fischbach erblickte Markus Fischer das Licht der Welt. Er war eines der 13 Kinder der Lehrerfamilie Franz Xaver und Anna Fischer-Blum.
Der Vater erwarb sich später einen Bauernhof, denn die grosse Familie benötigte mehr Platz. Nach der offiziellen Schulzeit in Grossdietwil und Willisau, trat Markus ins
Kollegi Stans ein, wo er 1958 seine Studienjahre mit der Matura abschloss.

Als Kind schwärmte Markus vom Bäckerberuf, nach der Matur standen Medizin oder Lehrer zur Debatte, aber er wurde Theologe. Er liebte Latein, Griechisch und sogar
Hebräisch. Er trat ins Priesterseminar in Luzern ein, ergänzt mit Studienaufenthalten in München und Solothurn. Im Juni 1963 erfolgte die Priesterweihe und als Höhepunkt die Primiz in Grossdietwil. Seine geistliche Mutter Frau Anna Müller verehrte ihm den goldenen Messkelch, der ihn zeitlebens begleitete.

Mit 26 Jahren trat Markus Fischer seine erste Pastoralstelle als Vikar in Cham an. Seine jungen und frischen Ideen verfingen sofort. Die Jungwacht Cham blühte auf. Viele der damaligen Jungwachtführer begründeten eine Freundschaft zu Markus, wie z.B. Werner Müller, der legendäre Mö, der später sein treuer Mitarbeiter in
Hünenberg wurde.

Bevor es jedoch soweit war, wirkte Markus acht Jahre lang als Kaplan in Hitzkirch. Das damalige Hünenberg erwachte wie aus einem Dornröschenschlaf. Aus einem kleinen Bauerndorf entwickelte sich sukzessive eine ansehnliche Gemeinde. Die Geschicke der Hünenberger Katholiken leitete zu jener Zeit Herr Kaplan Josef Wicki in St. Wolfgang. Er setzte entscheidende Grundpfeiler ins kirchliche Leben unserer Gemeinde mit dem Ziel, eine eigene Pfarrei zu werden.

Die Kirche Heilig Geist war noch im Entstehen, als Pfarrrektor Josef Wicki sein Amt abgab. Als Nachfolger setzte Bischof Hänggi Markus Fischer als ersten und bis anhin einzigen Pfarrer ein. Ich kann mich noch gut erinnern, wie am 19. Mai 1974 Hünenberg nach einem
Gottesdienst Markus Fischer in der Wart feierlich willkommen hiess. Es war ein strahlender, sonniger Sonntag. Ich denke, es war ein Gotteszeichen auf seine kommende strahlende Arbeit als Hünenberger Seelsorger. Hier habe ich ihn zum ersten Mal gesehen, den Markus.

Mit der Kirchenweihe am 15. November 1975 konnte er in sein eigenes Gotteshaus Heiliggeist einziehen. Nun begann seine unermüdliche Arbeit. Markus Fischer war ja nicht nur Lehrer, sondern auch Bauernsohn und wusste wie man ein Ackerfeld zu bestellen hat. Er hat das Feld umgebrochen, hat gepflügt und gesät. Die Saat auf dem Acker Gottes
begann zu keimen. Sein Kirchenvolk war von ihm und seinen erfrischenden Gedanken angetan. Er tröstete, er ermunterte und sprach eine Sprache, die alle verstanden. Markus hat mit Begeisterung die Ideen des 2. Vatikanischen Konzils
verfolgt. Er lebte in einer Aufbruchstimmung, weg vom verkorkten kirchlichen Leben und seine Ansichten sprangen über in unsere Seelen. Seine Idee, an 10 Sonntagen
prominente Predigerinnen und Prediger sprechen zu lassen, rief die Bewunderung vieler Gläubigen hervor und eben diese zum Teil provokativen Impulspredigen riefen Schweiz weit Hoffnungen wach. Logischerweise gab es darauf auch Reaktionen, die ihn in seinem Eifer zurückgebunden haben. Vielleicht ging es Markus zu wenig schnell.

1984 offenbarte er dem Papst bei dessen Besuch in Einsiedeln, es sei doch zu erwägen, die kirchliche Strukturen aufzubrechen und z.B. Männer und Frauen mit
gleichen Aufträgen einzusetzen. Er überreichte dem Hl. Vater als Symbol eine grosse Sicherheitsnadel mit dem Hinweis, dass man diese Nadel nicht nur schliessen,
sondern eben auch öffnen könne. Dieser Auftritt fand auch in Kollegenkreisen nicht nur Zustimmung. Als ich einmal mit ihm darüber sprach, kam es mir vor, dass er sich einsam und allein gelassen fühlte und er darunter litt. Ich glaube im Sport hat er auslüften können. Wie staunte Hünenberg, dass man ihn im bunten Dress und seinem Sportrad durch die Gegend sausen sah. Für uns war dies zur damaligen Zeit etwas Ungewohntes an einem Pfarrherrn. Er nahm am Silvesterlauf in Zürich teil und nach der strengen Osterzeit konnte er abschalten bei den Skitouren in den Alpen mit seinen lieben Skikollegen, der sogenannten GREMUBA. In den Alphütten am Abend war er einer unter ihnen ohne Soutane und er genoss es.

Markus liebte die Geselligkeit. Er war gern gesehener Gast in seinen Vereinen wie dem Kontakt, dem Kirchenchor, Blauring, Pfadi usw. Er liebte den Humor. Einmal. Ich kann mich noch gut erinnern, ich war damals noch Erster Zunftmeister der Eiche Zunft und wir sassen an einem Schmutzigen Donnerstagnachmittag im Bösch, dicht gedrängt um den grossen Stubentisch. Da läutete das Telefon, und weil Markus gerade daneben sass, nahm er es ab und sagte: „Hier spricht der Automat, rufen sie später wieder an, der Telefonabonnent ist gerade am Most holen,“ und hängte auf.
Wir vom Zunftrat erwägten sogar, Markus zum Zunftkaplan zu ernennen, doch kam uns der Kanton Zug zuvor und ernannte ihn zum Zuger Domherrn für das Bistum Basel. Er übte dieses Amt bis 2013 aus, und Bischof Gmür verlieh ihm anschliessend als Anerkennung die Ehrendomherr-Würde.

Markus liebte die klassische Musik und die Kunst. Er sammelte Standuhren, Buffets und Heiligenfiguren. Aber über allem galt seine Sorge uns Hünenbergern.

Mit seinen beiden Gwölfger Kaplänen, August Widmer und Fritz Schmid pflegte er ein wunderbares Verhältnis. Etwas möchte ich noch anfügen: Wie hätte Markus sein Leben verbracht ohne Mathildi, die ihm ein paar Wochen im Tod vorausgegangen ist. Mathildi machten ihm den Haushalt, pflegte das Pfarrhaus, kochte, glättete und staubte die Heiligenfiguren ab in grosser Bescheidenheit und stiller Zuvorkommenheit. Die vielen hier anwesenden Familienmitglieder, Geschwister, Nichten und Neffen, haben Markus vor einem halben Jahr zum 80. Geburtstag gratuliert. In dankbarer Erinnerung erwähnte damals sein Neffe Thomas Häfliger das pflichtbewusste Wirken von Markus für die Familie. Er taufte die meisten Neffen und Nichten, verheiratete sie, machte Krankenbesuche und sprach Trost bei sterbenden Familienangehörigen. Bei Hilferufen stand er der Familie mit Rat und Tat zur Seite. Sie betrachtete ihn als ihren Familienseelenhirten. Und wenn es die Not erheischte, krempelte Markus die Ärmel hoch und diente in seiner Freizeit auf dem elterlichen Hof als „Knecht“ von Erwin. Er war einer der ihren aber auch von uns. Das kam deutlich zum Ausdruck bei einem der letzten Höhepunkte in seinem Leben. Die Bürgergemeinde Hünenberg ernannte Markus im Jahre 2013 zum Ehrenbürger unserer Gemeinde, eine Ehre, die er mehr als verdient hat. Am Freitag, 9. März hat uns Markus verlassen. Unser Glaube lehrt uns, dass die Seele, sein Geist, unsterblich ist. Eingedenk dessen bitte ich Sie, aufzustehen und Markus posthum für seine unendliche Arbeit mit einem gewaltigen Applaus zu danken. Er hört es.
Klaus Meyer