Texte und Dokumente

Lichtspiel Kreuz © Ruth Eberle

«Morgenlob»

Ich war knapp dran, kurz nach 8.15 Uhr, und die Musik begrüsste mich schon auf dem Vorplatz der Hünenberger Kirche Heilig Geist. Das Morgenlob hatte bereits begonnen. Beim Eintritt in die Kirche beeindruckte mich, dass der Chor eingetaucht war in Farben. Später veränderte ein Lichteinfall durch ein Fenster die Szenerie eindrücklich (siehe Bild). Tobias Zierof und Romina Monferrini, die beiden Initianten dieses Anlasses und beide im Mitarbeiterteam der Pfarrei, waren die Musizierenden an Klavier und Gitarre. Ich wurde herzlich mit einem Händedruck begrüsst und mit dem Notenmaterial eingedeckt. Eine Gruppe von Menschen hatte sich eingefunden, um mit Gesängen, dem Tagesevagelium und frei gesprochenen Gebeten den Tag zu beginnen. Es war eine besondere, innige Atmosphäre. Berührend. Irgendwie familiär, das Ganze in einer Sprache gehalten, die auch die meine ist. Und mit einer Musik, die – so machte es den Eindruck – direkt aus dem Herzen kam. Und sie ging auch direkt ins Herz; das machte das Singen der mir unbekannten Lieder leicht. Sie gefielen mir, sprachen mich an. Schönheit war im Raum. Freude. Klang. «Könnte man den Tag besser beginnen?», dachte ich.

Zum regelmässigen Morgenlob jeden Dienstag gibt es einen «grossen Bruder», den Pfingstlobpreis, der dieses Jahr am Pfingstsamstagabend, 19. Mai, 19.30 Uhr, stattfindet. Dazu Romina Monferrini: «Wir wollen vielfältige Räume schaffen, wo Menschen die Möglichkeit haben, Gott zu erfahren. An diesem Anlass arbeiten wir mit verschiedenen Elementen. Einerseits ist es die Musik, sind es die Lieder, die für einmal anders sind. Wir haben jeweils eine Band; letztes Jahr waren es zehn wirklich leidenschaftliche und gute Musiker/-innen. Dann schaffen wir mit farbigem Licht eine besondere Atmosphäre.» Es würden aber nicht zwei Stunden einfach durchgesungen. Stille Anbetung gehöre ebenso dazu wie freie und geleitete Gebete sowie Impulse zur Anbetung. «Man kann herumgehen, stehen, sitzen, die einen haben auch schon getanzt. Jede/r kann für sich herausfinden, wie er/sie vor Gott treten will und dafür die eigene Form finden. Und alle können kommen und gehen, wann sie wollen.» Tobias Zierof ergänzt: «Für diejenigen, die eine Sehnsucht danach verspüren, gibt es die Möglichkeit, sich selber oder als Paar oder als Familie segnen zu lassen. Dann sind auch Ansprechpersonen vor Ort, an die ich mich mit einem Anliegen wenden kann, damit diese Person eine Fürbitte für mich spricht. Wenn da einer für mich und mit mir betet, hat das eine ganz besondere Qualität. Deswegen gehört auch die Beichtmöglichkeit zu diesem Anlass ganz selbstverständlich dazu.»

«Jede/r kann beten»

Der Pfingstlobpreis sei ein Anlass, der für alle offen sei: für Menschen aus der Pfarrei oder von anderen Orten, Menschen, die sonst nicht in eine Kirche gehen, Junge ebenso wie Ältere. Auch wenn es eine Feier der katholischen Pfarrei sei, würden ebenso Christen anderen Kirchen und Gruppierungen daran teilnehmen, erklärt Romina Monferrini. «Es ist ein Ort, an dem Menschen mit verschiedenen Begabungen und Leidenschaften zusammenkommen.» Erst im Zusammenspiel aller entstehe ein grosses Gebet, wodurch diese Feier so besonders werde. «Ganz persönlich und in Gemeinschaft – ob Sängerin oder Instrumentalist, Gebetsleiterin, Fürbitter oder Techniker, alles was sie tun, ist Gottesdienst, eine Form des Betens sowie des Lobpreises. Auf diese Weise werden Jugendliche und Er- wachsene befähigt und eingebunden, die im Glauben unterwegs sind, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen.» Das sei wichtig, damit die Menschen erfahren: Jede/r kann vor Gott tragen, was ihn/sie beschäftigt – in seiner Form, in seiner Sprache. Ganz selbstverständlich beteiligten sich daher auch Jugendliche an der Gebetsleitung. Dafür brauche es kein Theologiestudium.

«Zwei Ebenen»

Wenn Romina Monferrini und Tobias Zierof über Lobpreis sprechen, sind sie sich einig. Es ist ihrer beider Leidenschaft und Art und Weise, ihre Beziehung zu Gott zu leben. «Jeder von uns ist seit Jahren mit Lobpreis unterwegs und hat sich in verschiedensten Formen und Gruppierungen getroffen. Nun wollten wir das hier in Hünenberg auch für andere Menschen ermöglichen.» Und Tobias Zierof: «Über Musik wird das Gebet kompletter. Zwei Ebenen werden angesprochen, einerseits der intellektuelle Ausdruck von etwas, was mich beschäftigt und andererseits die Möglichkeit, mich voll emotional in die Musik hineinlegen zu können. Dann wird es sehr harmonisch. Mich berührt ein Lobpreislied mehr als ein gesprochenes Gebet. Und wenn ich dann noch am Klavier sitzen kann, wird es noch intensiver.»

«Ein Gefäss von vielen»

«Uns liegen Lobpreisanlässe sehr am Herzen. Wir haben hier ein wunderschönes Gefäss im katholischen Rahmen, das so viel Lebendigkeit ermöglicht, weil durch das Zusammenspiel von Anbetung und diese Art von Musik Freiräume entstehen, die jeder ganz individuell füllen kann.» Für Romina Monferrini ist es wichtig, dass man nicht nur eine, sondern auch andere liturgische Formen kultiviert. Welche ergänzenden Formen die passenden sind, sei von Pfarrei zu Pfarrei unterschiedlich. «Dann können sich die Gläubigen das auswählen, was ihnen entspricht. Und die Pfarreimitglieder können das machen, wofür sie die Leidenschaft und Talente haben. Dadurch machen sie es auch besonders gut, weil sie dafür brennen.» Und dass Romina Monferrini und Tobias Zierof für solche Lobpreisanlässe brennen, braucht nicht erwähnt zu werden. (Ruth Eberle)

2018 05 lobpreisartikel pfarrblatt duo

«Romina Monferrini»

Lobpreis hat stark mit meiner Haltung zu tun, damit, wie ich Gott sehe und welches Gottesbild ich habe. Ich bin immer wieder geflasht, was Gott alles macht und bewirkt. Das löst bei mir das Bedürfnis nach Lobpreis aus, auch wenn ich vielleicht in einem Moment viel zu kla- gen hätte, weil mich etwas bedrückt. Es gibt so viel Gutes. Ich vertraue voll und ganz auf Gott.

Ich verstehe mich in der Beziehung zu Gott nicht nur als Bittende. Im Lobpreis stehe ich vor Gott, einfach so, wie ich bin, und schaue, was passiert. Ich möchte ein Werkzeug für ihn sein. Er soll mich wandeln und führen. Es braucht grosses Vertrauen, sich darauf einzulassen, egal, wohin der Weg geht, egal, was geschieht. Gott ist es immer wieder wert, ihm zu danken, ihn zu loben und zu preisen.

«Tobias Zierof»

Ich fühle mich im Leben an so vielen Stellen so reich beschenkt. Schon früh habe ich in meiner Gottesbeziehung gemerkt, dass mir etwas fehlt, wenn ich nur bitte. Ich will auch danken. Danken ist für mich kein Müssen. Wenn ich mit Gott un- terwegs bin, ist es ein inneres Bedürfnis, das Gute auch zum Ausdruck zu bringen. Eines meiner grössten Geschenke ist meine Musikalität. Die kann ich in Lobpreisgot- tesdiensten einsetzen und damit etwas zurückgeben. Da verbindet sich das Geschenk der Begabung mit dem Gebet.

Lobpreis meint für mich nicht den Anspruch Gottes an mich, ihn loben zu müssen. Es ist eine Antwort darauf, wie ich ihn erlebe, wie er mir begegnet. Es ist eher ein Ausdruck der gemeinsamen Beziehung. Ich muss das auch nicht festmachen am Satz «Gott, ich lobe dich». Im Kern geht es um Dankbarkeit und um Freude. Ja, insbesondere um Freude. In einem Lobpreisgottesdienst kumuliert sich das alles.