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Ein Weckruf

„Der Herr sei mit euch“ – „und mit deinem Geiste“. Wissen Sie, wie oft dieser Satz im Gottes- dienst vorkommt? Ganze vier Mal! Allein diese Tatsache macht uns deutlich, wie wichtig es ist, was wir da sagen. Es ist ein Wunsch, aber vor al- lem auch eine Erinnerung an die Realität in der wir stehen. „Der Herr ist da! Seid euch dessen bewusst!“. Dieser Ruf kommt immer dann, wenn etwas Wichtiges im Gottesdienst passiert. Am Anfang will er uns klar machen, wieso wir da sind: Weil der Herr da ist! Vor dem Evangelium erinnert er uns: Jesus ist in seinem Wort da! Vor dem Hochgebet: Jetzt kommt Jesus uns ganz nahe! Beim Segen: Jesus geht mit dir in deinen Alltag! Wenn der Vorsteher diesen Satz sagt, nutzen wir es als Weckruf, als Konzentrationserinnerung und als Sammlung unserer Gedanken, die schon längst wieder spazieren gegangen sind.

Das Kyrie - ein Lobpreis

Im Gottesdienst folgt nun das Kyrie. Hier herrscht oft ein Durcheinander von Besinnung, Bekenntnis und Vergebung. Früher sprach man oft noch das Schuldbekenntnis „Ich bekenne Gott dem Allmächtigen und allen Brüdern und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe...“. Mit der Zeit verschwand an vielen Orten dieses Gebet und das Thema der Sünde und Schuld wurde ins Kyrie eingeschoben. Das ist schade, denn das Kyriegebet ist eigentlich ein Lobpreis auf die Grösse Jesu. Das griechische Kyrie eleison – Herr erbarme dich, wurde in der Antike immer dann gerufen, wenn der Herrscher den Raum betreten hat oder von einer Schlacht siegreich heimgekommen ist. Mit dem Ausruf «Kyrie eleison» applaudierte man dem Herrn und erbat sich selbst ein bisschen von dem Ruhm. «Kyrios» bedeutet «Herr» und war von Anfang an ein Titel für Jesus, der siegreich die Schlacht gegen den Tod gewonnen hat.

Anteil am Siegespreis Gottes

Auch wir wollen Anteil haben an diesem Sieg, gegen die Sünde und den Tod. Das Thema Schuld und Sünde ist immer mehr aus dem Gottesdienst gewichen und dennoch ist das Versagen und Schuldigwerden eine Realität des Lebens. Was für ein Glück, dass wir an einen so grossen Gott glauben, der uns unsere Schuld vergibt! Das Schuldbekenntnis und die Vergebungsbitte sollen uns nicht primär daran erinnern, dass wir schlechte Menschen sind, sondern dass wir einen wundervollen Gott haben, der uns immer wieder ganz nahe an sich zieht, der vergibt, der uns wie eine Mutter ihr Kind auf den Schoss nimmt und sagt: Du bist mein geliebtes Kind, egal was du getan hast, du bist mein.