Texte und Dokumente

Betende junge Frau mit geschlossenen Augen

«Wie beten Sie?» 

Wann beten Sie? Am Morgen im Bett? Vor dem Essen? Am Abend bevor Sie einschlafen? Oder beten Sie den Tag über immer wieder einmal? Wie beten Sie? Suchen Sie die Stille, die Meditation, eine leere Kirche, den Wald? Nutzen Sie den Gebetsschatz der Kirche oder beten Sie mit Ihren Worten? Beten Sie alleine, mit ihrem Partner oder mit ihren Kindern? Es gibt so viele Arten des Betens, wie es Menschen gibt. Es ist etwas Persönliches aber es ist auch etwas Gemeinschaftliches!

«Lasst uns beten!»

Der Gottesdienst ist ein Ort an dem beides zusammenkommt. Diese Stunde in der Kirche schenkt einen Rahmen, in dem wir explizit Zeit zum Gebet haben. Wir werden ja auch immer wieder dazu aufgefordert: „Lasset uns beten“. Diese Einladung ist keine Floskel, kein geheimes Zeichen, dass man aufstehen muss, sondern es ist eine Aufforderung dass alle Gottesdienstbesucher mit ihren Anliegen, mit ihrem Dank, mit ihrer Klage, mit sich selbst vor Gott kommen sollen. All diese Gebete sollen dann durch das Gebet des Vorstehers gesammelt werden. Es braucht also eine Zeit des gemeinschaftlichen Schweigens! Im Gottesdienst sind viele solcher Momente vorgesehen. Nutzen wir sie, damit die Feier das wird, was sie sein soll: persönlich und gemeinschaftlich! Denn der Gottesdienst ist der Ort, an dem unser eigenes Leben zur Sprache kommen soll, unsere Fragen, unsere persönlichen Anliegen müssen Raum haben. Im Gottesdienst, in der persönlichen Stille und im gemeinschaftlichen Hören und Beten dürfen wir erleben, dass wir einen unglaublich grossen und gnädigen Gott haben, den wir im Gottesdienst feiern und begegnen können.

«Eine Zumutung»

Die Gebete, die vom Vorsteher gebetet werden sind eine Zumutung. Eine Zumutung in dem Sinne, dass uns die Kirche einen uralten Gebetsschatz zumutet, der grosse und tiefe Anliegen enthält, die uns als Christen über Raum und Zeit verbinden. Viele der Tagesgebete stammen aus den ersten sechs Jahrhunderten und beinhalten in schlichten Worten unglaublich grosse und tiefe Bitten. Oft werden sie aber tatsächlich als unzumutbar empfunden, da die Wortwahl und Sprache weit von dem entfernt ist, wie wir heute sprechen und beten. Es ist ein Gebets-Schatz, an dem die Kirche festhält, auch um unsere Gedanken und auch unsere persönlichen Gebete herauszufordern. Hören wir doch wieder einmal genau hin und denken über diese Gebete nach. Sie führen uns tief hinein in das Geheimnis des Evangeliums und in die Sehnsucht der Gottesnähe. Sie regen uns zum geistlichen Wachstum an und sie fordern uns aus unserem Horizont heraus, in die Grösse Gottes hinein. Eine Zu – Mutung und eine Heraus-Forderung!