Predigtnachlese

2017 06 happybirthday pfingsten pixabayHappy birthday to you - Happy birthday to you - Happy birthday liebe Kirche – happy birthday to you.

Unsere Kirche feiert heute Geburtstag! Unglaublich, auf was für eine lange Lebenszeit wir heute zurückblicken können, denn eigentlich müssten heute fast 2000 Kerzen auf unserem Kuchen sein. Geburtstag ist immer ein besonderer Tag, die erste Erkenntnis: Wow, ich lebe noch! Auch als Kirche ist das eine wichtige Erkenntnis! Dann die Erinnerung an die Geburt, ein Innehalten: Schon wieder ist ein Jahr vorbei, was hat sich verändert/was habe ich erreicht? Und es ist ein Ausblick – was wohl das nächste Jahr bringen mag...

Wenn die Kirche heute Pfingsten feiert, dann erinnern wir uns tatsächlich an ihre Geburt, dem ersten Atemzug der Kirche, dem Beginn von etwas Neuem, noch nie dagewesenem. Die Kirche war wirklich etwas Neues! Sicher, die Sache Jesu lief ja schon ein paar Jahre, aber wirklich auf die Welt gekommen ist die Kirche erst an Pfingsten. Denn obwohl die Jünger die Auferstehung Jesu als umwerfendes Ereignis erlebt haben, war die Gefahr da, dass sich die Sache Jesu im Sand verlaufen könnte. Hinter verschlossenen Türen haben sich die Jünger versteckt und waren voller Angst. Aber dann ist etwas passiert: aus einem Haufen Nach-Folger, werden selbständige Voraus-Gänger, Visionäre und Pioniere, welche die Türe aufreissen und für jeden verständlich von Gott redeten. Ein Comming out! Verantwortlich war der Heilige Geist. Machtvoll, kräftig, wie ein Sturm, wie ein Feuer das entfacht.

Die Luft ist raus...

Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Kirche heute in einer ähnlichen Situation ist wie die Jünger damals vor Pfingsten. An vielen Orten ist die Luft raus. Jesus ja, aber machtvoll und ansteckend? Wohl eher vorsichtig und zurückhaltend. Wenige wagen sich mit ihrem Glauben vor die Türe. Es herrscht Angst: was wohl die anderen denken, wenn man nicht mehr nur so ein bisschen religiös ist, sondern wirklich über Jesus spricht und aktiv missionieren würde, wie die Jünger nach Pfingsten. Oder weil man vielleicht selber nicht mehr so ganz an die Relevanz dessen glaubt, was man glaubt? Missionieren? Lieber nicht! Glaube ist Privatsache, man nimmt hin, dass andere nicht glauben. Das ist ja ihr Problem, nicht das eigene.
Die Frage ist gestattet: Läuft die Kirche ihrem Untergang entgegen – oder gibt es noch Hoffnung für den Patienten?

So mancher ruft HEUTE nach einem neuen Pfingsten, fleht den Geist an endlich wieder zu kommen. Als wäre der Heilige Geist verschwunden, als hätte er ein Burn out und würde nicht mehr brennen.

Es ist Pfingsten und es stürmt! Es brennt! Gottes Geist ist da! Gottes Geist will uns wegblasen, dahin wo er uns braucht. Zu den Menschen, zu denen die nach Hoffnung suchen, zu denen die sich in Oberflächlichkeit verlieren, zu denen die sich sehnen nach einem festen Halt. Wir aber halten uns wie Schiffbrüchige, die Angst vorm Ertrinken haben, am Mast fest, versteifen uns in der Türe und halten die Botschaft Jesu fest, statt sie mit offenen Händen zu verschenken.
Das ist überspitzt gesagt – und ich weiss, dass viele von uns schon viel Gutes tun, sich einsetzen und anderen dienen. Aber es geht immer um ein Mehr! Die Kirche will wachsen, sie muss wachsen! Jesu letzte Worte waren nicht: Gebt euch zufrieden mit dem wie es ist, sondern: geht hin in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!
Loszulassen, etwas Neues zu beginnen, etwas wagen das braucht Überwindung, Kreativität und Geist! Die Kirche konnte damals zur Welt kommen, weil die Jünger den Türstock losgelassen und sich dem Geist hingegeben haben. Die Kirche kommt heute in die Welt, wenn wir uns von Gott begeistern lassen und für seine Sache brennen und uns bewegen.

Kirche geht ... wohin?

Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen, Gesundheit und Frohsinn, sei auch mit dabei...

Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen – oft frage ich mich, wohin geht unsere Kirche? So mancher glaubt: über den Jordan. Doch so lange der Geist Gottes weht haben die Pessimisten keine Chance, denn Gott hat da eindeutig den längeren Atem. Trotzdem glaube ich, dass die Kirche im gesamten und auch unsere Pfarrei Hünenberg neue Wege suchen müssen. Ich bin überzeugt, dass es ganz unterschiedliche Wege sein werden – und nicht jeder Weg wird sonntags um halb zehn hier bei uns im Gottesdienst Halt machen. Daran sollten wir Kirche und Christ sein auch nicht definieren!

Die Kirche – und das ist ja per Definition die Gemeinschaft der Gläubigen, geht unterschiedliche Wege. Als Christen, ob nun evangelisch, reformiert, katholisch, orthodox, freikirchlich, oder wie auch immer, sind wir doch gemeinsam unterwegs! Auch innerhalb unserer Konfession gibt es unglaubliche Unterschiede. Hören wir auf, das Trennende zu suchen, sondern freuen wir uns an unserem gemeinsamen Ziel. Das ist doch Jesus! Um ihn soll es gehen! Ihn sollen wir verkünden. Bei ihm werden wir ankommen, ob wir nun bei Orgelklängen auf Knien vor dem Allerheiligsten oder bei fetziger Musik mit erhobenen Händen beten. Im Pfarreiteam erleben wir gerade wie der Geist Gottes uns mit unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt und sich neue Wege auftun. Ich bin überzeugt davon, dass es daran liegt, dass wir in unserem Denken aufgehört haben Angst voreinander zu haben und das Trennende zwischen uns zu stellen, sondern, unser gemeinsames Ziel in den Blick haben: nämlich Jesus zu suchen und zu verkünden.
Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen – liebe Kirche.

Schön, dass es dich gibt

Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst... Wie schön, dass wir beisammen sind, wir gratulieren dir Geburtstagskind...

Liebe Kirche – Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst! Als wir vor ein paar Wochen den ersten Geburtstag unserer Tochter gefeiert haben, ging es uns wirklich so – wenn sie nicht da wäre, dann würde uns etwas fehlen! Heute wo wir die Geburtstagsparty der Kirche und den Namenstag unserer Pfarrei feiern, dürfen wir uns auch bewusst sein, dass es schön ist, dass es unsere Kirche gibt! Das es wichtig ist, dass hier in Hünenberg Menschen leben, denen der Glaube an Jesus und die Gemeinschaft der Gläubigen wichtig ist! Und nicht nur für uns selbst. Wir müssen davon überzeugt sein, dass wir Hünenberg und der ganzen Welt etwas zu geben haben. Gäbe es uns nicht - würde etwas was fehlen. Etwas Schönes, wahrscheinlich das Schönste der Welt. Nämlich das Leben aus dem Bewusstsein: ich bin Gottes Kind! Geliebt und mit einer unglaublichen Hoffnung.
Im heutigen Evangelium sagt Jesus zu uns: Empfangt den Heiligen Geist! Ich sende euch! Vergebt die Sünden! Deuten wir das mal nicht nur als Aufruf zur Beichte sondern sehen wir die Sündenvergebung als das was sie wirklich ist, das Trennende zwischen Mensch und Gott wegzunehmen: Also Menschen zu Gott zu führen. Das ist unsere MISSION! Dafür haben wir den heiligen Geist empfangen! Suchen wir uns Gleichgesinnte, beten wir miteinander und fangen wir ganz einfach an.

Eine Frage noch zum Schluss: Haben sie eigentlich ein Geburtstagsgeschenk für unsere Kirche dabei? Nein? Macht nichts! Die Kirche ist da nicht nachtragend, Sie können es jederzeit bringen. Keine Idee, was sie dem Geburtstagskind schenken könnten? Ich hätte noch ein paar Insidertipps: schenken Sie doch Mut, Freude, Worte und Taten. Mut, neue Wege und auf Menschen zuzugehen. Freude in ihrem Herzen, dass sie zu Jesus gehören! Worte die davon sprechen und Taten die es erleben lassen! Amen!