Predigtnachlese

Are you ready? (pixabay_wokandapix_ready)

«Alles will gut vorbereitet sein.»

Egal, ob für eine Reise oder ein grosses Fest im Kreis der Familie. Egal, ob für eine Konzertaufführung oder einen wichtigen Sportwettkampf. Wir bereiten uns darauf vor! Wir machen uns bereit! Weil wir wissen, eine gute Vorbereitung steigert die Vorfreude. Und weil unsere Erfahrung zeigt: Wer auf den Anlass ungenügend oder gar nicht vorbereitet ist, der verpasst am Ende vielleicht alles.

Also bereiten wir uns vor. Und wie ist es mit Gott? Sind wir auch da bereit? Das ist die Frage des heutigen Evangeliums.
Jesus versucht es uns im Bild einer Hochzeit nahe zu bringen. Gott lädt uns ein. Er will das Fest des Lebens mit uns feiern. Da bedarf es unserer Vorbereitung – jetzt – damit das Fest beginnen kann.

«Warum man auf den Bräutigam warten muss»

Hier ist es hilfreich, den folkloristischen Hintergrund des Gleichnisses Jesu zu kennen: Der Bräutigam bezahlte den Brautpreis und brach dann auf zum Festsaal. Unterwegs, so sah es das Ritual vor, wurde er aber von den Verwandten der Braut so oft wie möglich aufgehalten. Diese feilschten mit ihm um zusätzliche Geschenke. Der Bräutigam nahm das gern in Kauf, denn mit jedem zusätzlichen Halt erhöhten sich quasi der Wert und das Ansehen seiner Braut. Je grösser die Verspätung, desto wichtiger und bedeutender das Fest.

Deshalb warten die Brautjungfern also irgendwo an einer Strassenkreuzung. Sie wollen dem Bräutigam entgegen gehen. 5 von ihnen waren klug. Sie rechneten mit einer grossen Verspätung. Und sie waren entsprechend vorbereitet. Die anderen 5 hatten das Fest offensichtlich unterschätzt. Sie hatten mit einer 08/15-Hochzeit gerechnet. Sie hatten den Wert von Braut und Bräutigam unterschätzt. „Dumm gelaufen“ sagt Jesus dazu!

«Zu wem gehören wir?»

Gott hat also Wichtiges und Grosses mit uns vor. Wie reagieren wir heute auf diese Nachricht? Sind wir klug oder töricht?

Wir kennen die Botschaft. Gott meint es ernst mit uns. Und wir beten immer wieder „dein Reich komme“. Meinen wir das denn auch, was wir beten? Wie ist das mit Gottes Reich? Irgendwie ahnen wir ja, dass eine Gesellschaft, die wenigstens versuchen würde, sich an Gott und seinem Plan für uns auszurichten, eine Gesellschaft wäre, die deutlich gerechter und solidarischer und damit lebenswerter wäre.
Und doch ist uns oft anderes wichtiger als Gott. Wie oft kommt was dazwischen, streichen wir Zeiten, die für unser Verhältnis zu Gott förderlich werden.
Wir ziehen anderes kurzfristig vor. Wir wollen zwar irgendwie dazu gehören, Christen sein, aber dann doch nicht so ganz, nicht mit letzter Konsequenz.

Jesus nennt das töricht. Er verurteilt uns nicht einmal. Er findet es einfach unklug.
Denn eben, vielleicht ist es ja plötzlich und irgendwann mal zu spät und stehe ich in Gefahr Entscheidendes zu verpassen und am Ende findet das Fest nicht statt für mich. Dann hätte ich vielleicht an meiner Bestimmung und am Sinn meines Lebens vorbei gelebt. Das wäre dann mehr als „dumm gelaufen“!

«Die Sache mit dem Öl»

Kein Öl dabei haben heisst dann also, dass wir nicht mit Gott rechnen. Dass wir ihm nicht zutrauen, dass er einen Plan mit uns und dieser Welt hat, dass er alle Menschen zum Heil führen will und dass wir jetzt und heute mit unserem Herz und unseren Händen dazu beitragen könnten.

Und wie kommen wir zu mehr Öl? Wie machen wir uns bereit? Da gibt es leider (oder besser, gottseidank!) kein Patentrezept und keinen Königsweg. Die Wege zu Gott sind so unterschiedlich und individuell wie wir Menschen halt sind.
Glauben heisst ja nicht in erster Linie irgendwelchen Lehren zuzustimmen. Glauben heisst der eigenen Sehnsucht nachzugehen, darin Gott zu suchen und ihm begegnen zu wollen. Und das könnten wir dann und wann ja auch zusammen tun. Wir könnten miteinander suchen und überlegen, wie wir uns für Gott bereit machen könnten; in der Familie, in Gruppen und Netzwerken, im Lesen und Beten, im Austausch, im gemeinsamen Dialog.

Dann kommt etwas in Bewegung. Dann entzündet sich etwas und beginnt zu leuchten. Ich glaube, gerade in unseren Breitengraden braucht es jetzt etwas, was den Unterschied macht, einen neuen Lebensstil, der sinnstiftend und zukunftsweisend ist. Die Botschaft vom Gott, der auf uns wartet und mit uns das Fest unseres Lebens feiern will, kann viel Licht und Orientierung in unsere düstere Zeit bringen.

Es braucht dazu Menschen, die mit ihrem Leben für Gott brennen. Bist du bereit?

Predigt von Christian Kelter am 12.11.2017 – zum 32. Sonntag im Jahreskreis A – über Mt 25,1-13