Predigtnachlese

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Was ist hier «typisch katholisch»

Jetzt können Sie entscheiden! Welche Attribute verbinden Sie eher mit der Katholischen Kirche? Lustig, locker, ironisch, arm? Oder: diszipliniert, streng, asketisch, gehorsam? Was meinen Sie? Tatsächlich sind das alles Attribute von Heiligen.

Philipp Neri

Den einen, Philipp Neri (1515-1595), nannte man schon zu seinen Lebzeiten den „Clown Gottes“. Er führte nicht nur witzige und schlagfertige Gespräche mit den einfachen Leuten auf der Strasse. Er ist einigen Menschen auch kräftig auf die Nerven gegangen. Das stolze Gehabe der römischen Kardinäle soll ihn besonders gestört haben. So wird erzählt, dass er selbst bisweilen, als Kardinal verkleidet, durch Rom stolziert sei, um sich über die echten Kardinäle lustig zu machen. Und die fühlten sich ertappt. Da hielt ihnen einer den Spiegel vor. Die Bettler dagegen sollen ihm in Prozessionen gefolgt sein.

Ignatius von Loyola

Diszipliniert, streng, asketisch, gehorsam sind eher die Attribute des Hl. Ignatius von Loyola (1491-1556). Er wollte eigentlich eine Karriere beim Militär machen. Doch es kam anders. Er wurde verwundet und kämpfte sich mit viel Disziplin ins Leben zurück. Von da an war alles anders. Er wurde Priester, gründete eine Ordensgemeinschaft (Jesuiten) und prägte eine Spiritualität, die auch heute noch viel Wert auf Bildung und Fleiss legt.

Philipp Neri und Ignatius von Loyola. Sie waren Zeitgenossen, lebten zeitweise beide in Rom, kannten sich und haben sich, eben weil sie so unterschiedlich waren, nicht sonderlich gemocht. Zufall oder nicht: Die Kirche hat sie am selben Tag (12. März 1622) heiliggesprochen. Das ist typisch katholisch!

Heilige als Supermenschen?

Die Heiligen waren und sind keine Supermenschen. Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht auf einen allzu hohen Sockel stellen. Dann erreichen wir sie nicht mehr. Wir werden der Heiligenverehrung nur dann gerecht, wenn wir die Heiligen sehen wie sie sind und waren. Sie bilden nämlich alle Facetten der Menschlichkeit ab. Sie hatten ihre Ecken und Kanten und nicht selten ausgewachsene Macken. Einige neigten zur Aggression, andere hatten ihre Sexualität nicht im Griff. Die waren eigensinnig, der eine oder die anderen beihnah selbstverliebt. Kurz gesagt: Die Heiligen waren und sind Menschen wie du und ich. Typisch katholisch!

Sie alle aber haben Gott gesucht. Sie sind ihrem Herzen und ihrer Sehnsucht gefolgt. Manchmal auf Irrwegen, auf Abwegen. Aber sie waren beharrlich. Sie haben ihre Hoffnung auf Gott gesetzt und das hat sie nicht ruhen und nicht verzweifeln lassen.
Sie hatten eine Ahnung, dass Gott mit ihnen etwas vorhätte. Und sie haben versucht, das zu finden und umzusetzen.

Deshalb hat die Kirche sie für heilig erklärt. Nicht weil sie unerreichbare Vorbilder sein sollen. Sondern weil es uns gut tut, Menschen zu kennen, die – wie wir – Gott suchen. Und die das tun, trotz ihrer Ecken und Kanten und Schwierigkeiten. Oder vielleicht eben auch, weil sie wissen, dass sie nicht perfekt sind und deshalb hoffen, auf Gottes Liebe und Erbarmen und Gnade.

Allerheiligen – ein Fest für uns alle

Das Fest Allerheiligen ist ein Fest für uns alle! Von jedem von uns hat Gott sein ganz bestimmtes Bild. Mit jedem von uns möchte Gott seine ganz eigene und unverwechselbare Geschichte schreiben. Wir alle sind ein unverzichtbares Teil in Gottes Schöpfung, in seiner Idee von der Welt.
Das ist das Ziel unseres Lebens, dass wir so werden, wie Gott uns gedacht hat. Er hat uns einen speziellen Charakter und viele verschiedenen Eigenschaften und Talente gegeben. Das zur Entfaltung zu bringen lässt uns zunehmend menschlicher werden. Weil wir damit mehr und mehr wir selbst werden im Sinne Gottes.

Wir müssen nicht perfekt werden. Aber wir haben alle Möglichkeiten heilig zu werden!