Predigtnachlese

Mann mit Uhr ohne Zifferblatt

Die Zeit, das ist ein Ungeheuer.
Denn Zeit ist Geld - und das ist teuer.
Sie treibt uns oft von Tür zu Tür.
Sind selten echt im jetzt und hier.
Stattdessen wieder auf dem Sprung.
So bringen wir die Zeit schnell rum.

Auch wenn es `ne Geschichte war,
so macht uns Karin deutlich klar,
welch Konsequenzen es schnell haben kann,
wenn wir so weiter machen – Frau und Mann.
Füreinander bleiben kaum mehr Räume,
verblassen können Wünsche, Träume,
weil sich`s selten einer leisten kann,
denn die Zeitenuhr hält keiner an.

So geht es uns nicht oft genau,
wie Karins Vater und seiner Frau?
Zwei Dinge muss man gleichzeitig tun,
sogar beim Pausieren und beim Ruh`n
versuchen wir zeiteffektiv zu sein,
schalten zum Lesen noch den Fernseher ein.
Wir könnten schnell ja was verpassen
Tun damit das, was wir doch hassen.

Die Karin tut uns wirklich leid,
denn für sie hat keiner wirklich Zeit.
Nur ein Märchen soll es sein
doch das fällt keinem wirklich ein.
So bleibt das Wichtigste nun auf der Strecke
was jeder Mensch so nötig hätte:
einer, der für uns da ist, uns versteht,
die Uhr nicht läuft, sondern alles steht,
damit Vertrauen, Freud und Liebe fliessen kann;
Das braucht ein jeder – Kind, Frau und Mann.

 

Die Zeit, das ist ein Ungeheuer;
Gut haben wir die Fasnacht heuer,
denn ihr gelingt, was keiner kann:
sie hält – irgendwie – die Zeit uns an.
Die fünfte Jahreszeit wird sie genannt,
verändert so viele hier im ganzen Land,
anstatt zu hetzen und schnell voran zu treiben,
hat man jetzt Zeit – um beieinand’ zu bleiben.

Mich fasziniert, das muss ich sagen,
all die Zeit für Kostüm und Wagen,
fürs Proben von Musik und Schnitzelbank,
für all die Umzüg’, die Arbeit mit Kopf, Herz und Hand,
die ihr investiert, fröhlich lachend
dem Zeitgeist ganz frech zum Trotz.

Doch warum, das muss ich euch fragen,
seid ihr bereit in diesen Tagen,
so viel Zeit zu investieren, Urlaub noch zu nehmen,
und so vieles mehr von euch zu geben…
Wart, ich glaub, mir fällt die Antwort ein –
Es muss aus diesen Gründen sein:
Es ist die Freud’ gemeinsam Zeiten zu verbringen
und dabei grosses, schönes zu vollbringen.

Es ist die Freud’ den andren eine Freud’ zu machen,
zu ermuntern, auch über Ernstes mal zu lachen,
wo nötig mal die Finger in die Wunden legen
und andre mal zum Denken zu bewegen,
den Fokus aber auf das Schöne richten,
in Liedern, Reimen und Gedichten
einfach alle dran erinnern, weil man’s so schnell vergisst:
Wie wichtig Gemeinschaft, Freud und miteinander Zeit verbringen ist!

Doch – auch wenns keiner hören mag,
irgendwann kommt doch der eine Tag,
an dem die Uhren wieder anders gehn,
wir keine Guggen und Zunfteltern sehn;
An dem das Konfetti längst verschwunden ist
und selbst der schlimmste Kater überwunden ist;
Am Tag, an dem die Eichesau verbrannt im Feuer,
treibt sie uns wieder an – die Zeit – das Ungeheuer.

Keine Angst, bis dahin geht’s noch eine Weile,
doch erlaubt mir, dass einen Wunsch ich mit euch teile:
Ich wünsche mir, dass von dieser närrischen Zeit
der besondre Kern danach noch bleibt.
Die Wichtigkeit, einander immer wieder Zeit zu schenken
und nicht nur an Termin’ zu denken,
sich eben nicht so treiben lassen von der Uhr,
sondern stehen bleiben, bestimmt und stur.

Bewusst einander in die Augen sehen,
anstatt nur schnell vorbei zu gehen.
Die Freude an Gemeinschaft pflegen
und bewusst auf all den Lebenswegen
einand’ begleiten, Stück für Stück,
das führt zu echtem Lebensglück.
Das wünsch ich mir: dass keiner sagen kann,
„Du hast nie Zeit für mich“ – fangen wir heut von Neuem an.

Die Freud am Leben und die Leichtigkeit,
die Hoffnung und die Unbefangenheit,
die Zeit für Sinvolles zu investieren
den andern nicht aus den Augen zu verlieren,
bewusst in Ruhe Zeit verbringen
um gemeinsam auch die schwere Zeit bezwingen;
das ist es, worum’s bei Fasnacht – und im ganzen Leben geht:
dass keiner für sich allein im Leben steht.

Denn das hat uns auch Jesus einst gezeigt:
Das, was es am meisten braucht, ist Zeit.
Keinen hat er einfach stehen lassen,
selbst für die, die alle hassten,
hat er sich ganz viel Zeit genommen,
und so ihre Freundschaft, Glauben, sie ganz selbst gewonnen
für das, was so schön Reich Gottes heisst –
wo Gottes Lieb’ herrscht und sein Geist.

Nur wer einmal stehen bleiben kann,
sieht den andern dann im Herzen an.
Er kann erkennen, was ihn beglückt,
doch auch, wo ihn der Schuh grad drückt.
Erst, wo man beginnt den andern wirklich zu versteh’n,
kann man gemeinsam auch Hoffnung, Licht und Freude sehn.
Für das nahm Jesus sich Zeit und Ruhe,
fragte dann: Was willst du, dass ich dir tue?

Schon diese Frage kann so heilsam sein,
zeigt sie doch klar: du bist hier nicht allein!
Ich hab Interesse grad an dir,
ich nehm mir Zeit, bin für deine Sorgen hier.
Du kannst zu mir ganz offen sein.
So schaffte Jesus andre zu befrei’n,
so heilte er – und auch mitunter
geschah auf diese Art ein Wunder.

Wenn man auf solche Art genügend Zeit sich nehmen kann,
fängt also wirklich etwas Neues an.
Wenn dann die Uhren wieder anders gehn,
wir statt Terminen all die Menschen sehn,
die Freude, Angst und Hoffnung haben,
die jubilieren und auch klagen,
wenn wir ihnen in die Herzen sehn,
dann – so bin ich überzeugt – werden heute auch solche Wunder mal geschehen.

Die Zeit, die ist kein Ungeheuer,
sie ist uns lieb und auch recht teuer,
gibt sie uns doch Gelegenheit,
zu Freud’, Gemeinschaft, Lieb’ und Ausgelassenheit.
Geniessen wir so gemeinsam noch die Fasnachtszeit
ganz bewusst in freudiger Geselligkeit
und nehmen wir uns mit ihr und Jesus vor,
dass, wenn die Faschnacht schliesst dann bald ihr Tor,
wir auch weiter freudig Zeiten investieren,
uns nicht so in Terminen zu verlieren.
Wir füreinander Sorge tragen und gemeinsam danach schaun
mit Jesus am Reich Gottes weiter fest zu baun.
So dass dann keiner von uns mehr sagen muss:
Ich han kei Zyt – und jetzt ist Schluss.

(Predigt zum Fasnachtsgottesdienst 2018 zur Geschichte "Wo die Zeit wohnt" von Vladimir Skutina und Marie-José Sacre und Mk 10,46-52 – von Tobias Zierof)