Predigtnachlese

 2018 03 30 karfreitag predigt pixabay fist 681848 1920

«Konkurrenz»

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Konkurrenz ist dann gut, wenn sie mich motiviert, besser zu werden und vor allem: mir klarer zu sein, über das, was mich antreibt, mich motiviert. Das gilt auch für Religionen. Und das gilt auch für unseren Glauben.

Ehrlich gesagt kann ich manchmal kaum glauben, an was Menschen so alles glauben. Ich möchte niemandem zu nahe treten aber an den Einfluss der Sterne glauben, an die Kraft der Bäume, Steine, Wassermoleküle, Strahlungen, Diäten… das ist doch kaum Ergebnis der Aufklärung. Es soll sogar Leute geben, die glauben an das Internet oder – noch abstruser – an den Markt.
Jeder glaubt an irgendetwas oder irgendjemand, jeder. Je länger, je mehr gilt der Satz (eines meiner Lehrer): „Wer nicht an Gott glaubt, glaubt nicht an nichts, sondern stattdessen an alles Mögliche.“

Als Christen glauben wir an Gott, glauben wir an Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben ist. Aber was heisst das noch gleich? Wozu? Und warum dürfen wir das glauben?

«Immer das gleiche Thema»

Bei allem, was Menschen glauben oder glauben möchten geht es schlussendlich um Erlösung. Wir wollen uns verbessern, wollen gesünder werden oder zufriedener. Wir wollen das Leben auskosten, wollen lieben und geliebt werden, und wir möchten am liebsten unsterblich sein. Wir sind in ständigem Kampf: leben, besser leben, schneller, höher, weiter. Unser Herz ist und bleibt unruhig. Das geht kaum anders. Allein die Wirtschaftsform, die uns ernährt, ist auf Wachstum aus. Wer viel hat, will mehr: Einfluss, Geld, Facebookfreunde…

Jeder und jede glaubt also an etwas. Es ist also nicht die Frage, ob wir glauben, sondern wem wir glauben.
Die Frage ist, ob das, was ich glaube, mir gut tut, ob es mich wachsen lässt, mich aufblühen lässt, reifer werden lässt, mündiger oder ob es mich tiefer hineinführt in die Spirale, des Müssens, des Nicht-Genügens, des Scheiterns.
Es geht letztlich um die Frage, ob es mir Heil und Erlösung bringt – ganz realistisch – oder nicht.

Bei Jesus ist das klar. Er ist gekommen, damit wir Menschen „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) haben. „Zu unserem Heil“ (Jes 53, 5) ist er Mensch geworden.
Weil Gott weiss, dass wir Erlösung brauchen, sie aber aus uns selbst heraus nicht erreichen können. Deshalb hat er uns seinen Sohn geschenkt. Jesus macht den Unterschied! Er ist das komplett Neue. Er ist die Revolution unseres Lebens. Er ist Erlösung!

«Selbsterlösung»

Schon zu Jesu Zeiten haben die Menschen, ähnlich wie wir, mit allen möglichen Mitteln versucht, sich selbst zu erlösen. Was zu schwer war, was man selbst nicht tragen und nicht ertragen konnte, dass sollte jemand anderes auf sich nehmen.
Meistens lud man einem Lamm alles auf, was zu viel war: Schuld, Konflikte, Angst, Sucht, Ablehnung, Fluch… Und dieses Lamm opferte man dann stellvertretend. Und ähnlich wie heute merkte man: Das funktioniert irgendwie nicht. Das Lamm war tot, der Schlamassel blieb.
Und immer wieder sagte Gott: „Schlacht- und Brandopfer will ich nicht“ (Ps 51,18). Das bringt nichts. Es braucht jemand, der all das auf sich nimmt und der es weg liebt und der es damit ein für alle Mal löst - erlöst.

«Für uns geopfert?»

Indem Jesus sich von der Bosheit der Welt foltern, annageln und töten lässt, nimmt er ein für alle Mal alle Ablehnung, allen Hass und allen Tod von uns und auf sich. Nicht, dass wir das nie mehr erleben. Aber unsere Verzweiflung, unsere Erlösungsbedürftigkeit unsere innere Unruhe, sie enden am Kreuz. „Unser von Schuld beherrschtes Wesen ist vernichtet. Wir müssen nicht länger dem Bösen dienen.“ (Röm 6,6) Wir dürfen uns erlöst wissen und wir dürfen lernen, als erlöste Menschen zu leben.

Immer mal wieder wird diese Idee infrage gestellt. Gott opfert seinen Sohn, Gott opfert sich selbst für uns. Wie kann das sein?
Ich möchte die Frage umkehren: Wie sollte das nicht sein? Wer jemals am Bett seiner schlafenden Kinder gestanden hat sollte das kennen. Das Gefühl, dass ich für diese Kinder alles geben, alles opfern würde, und wenn es sein müsste auch mein Leben. Ich würde das tun ohne mit der Wimper zu zucken.

Wenn schon ich das tun würde. Um wieviel mehr wird Gott das tun! Gott, der die Liebe in Vollendung ist, der uns schon im Mutterleib gekannt und geliebt hat. Er tut für uns alles. Er opfert sich selbst in Jesus Christus. Von ihm sagt der gleiche Johannes, dessen Passion wir gerade gehört haben:
„Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünde wegzunehmen.“(1 Joh 3,5) „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.“ (1) „Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.“ (3)

«Die Revolution»

Jesus ist die Revolution unseres Lebens. Er stellt alles auf Anfang, er setzt alles auf Null. Diesen Anfang vollziehen wir heute. Das ist unser Glaube. Das ist das „Warum“ unseres Lebens.

Mehr brauche ich nicht. „Gott allein genügt!“ (Teresa von Avila)