Predigtnachlese

Willst du mit mir gehen - Ja, Nein, Vielleicht

«Ja! Nein! Vielleicht!»

Willst du mit mir gehen? Bitte kreuze an: Ja, Nein, Vielleicht. Unterschrift: Gott! 
Ich wette, die meisten von euch kennen solche Zettel aus der näheren oder fernen Vergangenheit. Es sind Zettel, die etwas mit uns machten. Sie machten uns stolz oder gar glücklich, sie verunsicherten uns, berührten uns peinlich oder ärgerten sogar. Sie liessen jedenfalls nicht kalt. Sie forderten eine Reaktion von uns.

Und jetzt habt ihr es gemerkt: Die Teilnahme an diesem Oster-Gottesdienst ist keine harmlose Sache. Die Teilnahme an diesem Ostergottesdienst fordert euch heraus. Die Teilnahme an diesem Ostergottesdienst könnte für euch Konsequenzen haben.

«Konsequenzen»

So ging es auch schon den Jüngerinnen und Jüngern zur Zeit Jesu. Sie waren herausgefordert. Die Begegnung mit Jesus liess nicht kalt. Sie verlangte eine Reaktion. Jesus animierte zu einer Antwort.

Die Reaktionen waren unübersichtlich. Da gab es die „Ja-Sager“, die alles aufgaben und mit ihm zogen. Es gab auch die, die „Nein“ sagten, die ihn verliessen und die, die dann auf und davon waren, als es unter dem Kreuz ums Ganze ging.

«Ja oder Nein»

„Ja“ und „Nein“ und manchmal waren es dieselben Menschen. Petrus, der Jesus dreimal feige verrät und der später zum ersten Stellvertreter seines Lehrers wird. Oder Judas, der seine politische Hoffnung ganz auf Jesus gesetzt hatte und der ihn dann, bitter enttäuscht, für eine Handvoll Silberlinge verkauft.

Ob „Ja“ oder „Nein“, so eindeutig ist das jedenfalls nicht – war es nie und wird es nie sein. Das sollte auch euch vor einem vorschnellen Kreuz beim Einen oder Anderen abhalten.

«Vielleicht»

Es gibt ja noch ein Drittes: das „Vielleicht“. Schon als Kind haben mich vor allem zwei Figuren in den Erzählungen von Jesu Tod und Auferstehung besonders berührt. Der Verbrecher am Kreuz und der römische Hauptmann. Für mich sind das „Vielleicht-Gestalten“. Ihr Beispiel bewegt mich.
Der Verbrecher kehrt sich erst ganz zuletzt zu Jesus hin. „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Da rechnet einer doch noch mit Gott. Vielleicht gibt es diesen Gott. Und vielleicht ist er mir gnädig. Am Ende eines verkorksten Lebens, am Ende allen Suchens und Sehnens ist da vielleicht doch der eine, der alles zu heilen vermag, der alle Schuld vergibt, der die Erfüllung schenkt, die die Welt nicht geben kann. Vielleicht denkst du am mich Gott.
Und genauso der Hauptmann: dem auch die Karriere die Sehnsucht nicht stillte, der geschworen hatte auf den Kaiser und die Götter. Plötzlich ist er da, der Augenblick des tieferen Sehens: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn.“ Liebe, die sich festnageln lässt, ist der einzige Gott. Und dieser Gott meint mich! Ausgerechnet mich!

«Gott hat schon entschieden»

Was immer du ankreuzt: Ja, Nein, Vielleicht. Gott hat seine Entscheidung zu dir längst getroffen. Er will mit dir gehen. Durch dieses Leben und hinein in ein Leben seit Ostern. Er nimmt dich mit. Er möchte dich zur tiefsten und wichtigsten Erkenntnis deines Daseins führen.

Lass dir also Zeit mit deiner Antwort. Nimm die Osterbotschaft mit. Lass den Gedanken zu, dass Gott nichts Geringeres als dein Leben sein will. Nimm den Zettel mit nach Hause. Steck ihn dir ins Portemonnaie, pinn ihn an den Kühlschrank oder leg ihn neben dein Bett. Und such immer wieder nach einer Antwort.

Es ist nie zu spät, sich von Gott ins Leben rufen zu lassen.