Predigtnachlese

2018 09 16 bettagspredigt rawpixel 804784 unsplash

«Respekt»

Der Eidgenössische Dank-Buss-und Bettag soll den Respekt vor dem politisch und konfessionell Andersdenkenden fördern.

Ich halte das je länger, je mehr, für wichtig. Die politische Lage in vielen Ländern Europas ist aus meiner Sicht so kritisch, wie seit 80 Jahren nicht mehr. Auch um unsere Schweiz mache ich mir Sorgen. Dialoge eskalieren, Töne werden rauer, Anstand verschwindet.
Populisten schicken sich an, die Deutungshoheit zu übernehmen. Indem geschickt die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge verwischt werden.

«Was kann man glauben?»

Im Ergebnis wissen viele Menschen nicht mehr, was sie noch glauben sollen und was nicht. Die Welt ist ja an sich schon unübersichtlich geworden. Die populistische Propaganda spielt damit, indem sie unsere Ängste davor befeuert. Wir sollen den Eindruck bekommen: „Alle wollen uns etwas!“ Und es gibt nur wenige, die durchblicken. Und einzig von ihnen ist Rettung zu erwarten. Und wir glauben gerne alles, wenn es nur schlimm und absurd genug ist (Hannah Arendt).
So werden neue Wahrheiten geschaffen: Wenn ich die Wörter „Ausländer“ und „kriminell“ nur oft genug in einem Zusammenhang nenne, entsteht langsam aber sicher der Eindruck: „Alle Ausländer sind kriminell.“ Dass das an sich schon völlig unlogisch ist, tut dann gar nichts mehr zu Sache. Eine „alternative Wahrheit“ wurde geschaffen.

«(Un)Ssagbar»

Und: Die Grenzen zwischen dem, was sagbar ist oder eben unsäglich werden nach und nach gezielt nach unten verschoben. In einem Rechtsnationalen Blatt, das anfangs dieser Woche in alle Haushalte verteilt wurde, steht allen Ernstes drin, man solle Richter „durch den Ort treiben“. Das ist ein offener Aufruf zu Gewalt und Lynchjustiz. Aber kaum jemand scheint das zu stören. Haben wir uns schon daran gewöhnt? Genau das sollen wir nämlich tun.
Ich meine, wenn wir hier nicht laut widersprechen, wird irgendwann der Punkt erreicht sein, wo wir sowas nicht nur denken, nicht nur sagen, sondern es auch tun!

«Weg mit euch…!»

Was würde Jesus dazu sagen? Vielleicht das, was er heute dem Petrus sagt. Er würde diesen dunklen Mächten entgegenhalten: „Weg mit euch, Satan, geht mir aus den Augen! Denn ihr habt nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“
Wer den Menschen Angst macht, wer die Demokratie und ihre Gewaltenteilung einschränken will, wer Menschen manipuliert, die Wahrheit kauft und etablierte Medien als Lügenpresse diffamiert, wer zu Jagd auf Menschen ermutigt, Unrecht mit Unrecht und Gewalt mit Gegengewalt beantworten möchte, der bedient vielleicht primitive Verhaltensmuster, die in uns allen schlummern. Der redet Menschen nach dem Mund.

Wer das tut, der tut aber ganz sicher nicht, was im Sinne Gottes ist!
Und der darf und kann sich nicht Christ nennen! Das will Gott nicht! Das hehre Betonen von Heimat, Kultur und Christentum ist dann nur faules Geschwafel. Das stinkt zum Himmel. Der Glaube an Gott ist kein Steigbügelhalter für menschenverachtendes Gedankengut!

«Was Christen auszeichnet»

Wir haben es gerade bei Paulus gehört. Für ihn ist es ganz einfach: Was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber er tut es nicht? Was kann der Glaube da retten?
Wer andere Menschen beschimpft, wer sich sarkastisch über die erhebt, die in Not sind und schwach. Sind das etwa Christen?
Wer heute über andere schlecht redet, wird höchstwahrscheinlich schlecht mit ihnen umgehen, sollte er jemals Macht über sie haben.
Das alles ist maximal weit weg von Gott und hat mit Christentum nichts, aber auch gar nichts zu tun!

„Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.“, heisst es in der Schweizer Bundesverfassung.
Das sind die wahren Christen und das sind auch die einzig wahren Demokraten, die nach dem Wohl aller streben, die nach Lösungen und Konsens suchen, auch wenn es schwierig ist, die Probleme erkennen und ansprechen und trotzdem allen Menschen mit Respekt begegnen und ihre Würde achten.

«Mehr Respekt – JETZT»

Noch einmal: Der Eidgenössische Dank-Buss-und Bettag soll den Respekt vor dem politisch und konfessionell Andersdenkenden fördern. Das ist jetzt wichtig!
Es braucht wieder mehr mitmenschliche Kultur! Es braucht mehr Respekt voreinander!

Lasst uns Christen damit anfangen! Christen haben an unseren demokratischen Staaten massgeblich mitgebaut. Christen sollten auch heute darauf achten, dass dieses Erbe gehütet und geschützt wird.