Predigtnachlese

2019 predigt neujahr regie

«Ganz persönlich»

Das Luzerner Theater hat im Herbst den Max Frisch Klassiker Biedermann und die Brandstifter aufgeführt. Nicht auf der Theaterbühne, sondern in Privatwohnungen. Wer wollte konnte sich bewerben. Die Schauspielerinnen und Schauspieler kamen dann abends, nahmen die Wohnung wie sie sie vorfanden und spielten das Stück. Sie spielten mit dem, was halt da war. Der Kühlschrank samt Inhalt, der Teppich, die Möbel, alles wurde zum Teil des Stückes. Zuschauer waren auch dabei, bis zu 50. Auch sie betraten die privaten Räume zum ersten Mal und wurden ein Teil des Geschehens.

Ähnlich hat es auch Gott gemacht! Er wurde Mensch in der Welt, wie sie nun einmal war. Gott hat nicht gewartet, bis die Menschen parat waren. Er hat nicht gewartet, bis für ihn ein idealer Ort gefunden war. Gott liess nicht dieses und jenes an die Seite räumen. Er liess sich nicht ins rechte Licht rücken. Er kam einfach, in die gerade aktuelle Situation hinein.

«Es geht Gott um uns»

Das verrät einiges über Gottes Wesen. Gott ist in sich demütig. Er möchte uns dienen! Es geht ihm nicht um sich. Es geht Gott um uns. Er möchte uns nahe sein. Weil er uns liebt, so wie wir sind!
Und deshalb lässt er sich auf uns und unsere Situation ein. Was die Schauspielerinnen und Schauspieler in Luzern gemacht haben, dass macht Gott seit Weihnachten: Er zieht bei uns ein. Gott ist in unserem Alltag. Er ist in unseren Wohnungen. Er lebt mitten unter uns!

«Gottes Anwesenheit verändert alles»

Wir müssen nicht alles umbauen in unserem Leben. Das würde uns überfordern. Nein, Gott nimmt die Szenerie unseres Lebens, wie sie ist. Wir können Gott nicht abschrecken. Seine Liebe ist stärker als alle unsere Probleme und Hindernisse und Widerwärtigkeiten.
Und Gottes Anwesenheit verändert dann alles. Wie beim Schauspiel in Luzern. Unser Lebenshaus ist das gleiche. Aber seit Gottes Anwesenheit darin ist doch alles anders. Das Leben fühlt sich anders an. Die Prioritäten werden neu gesetzt. Wo wir früher nur wohnten, leben wir jetzt.

Der Galaterbrief hat es auf seine Art ausgedrückt: Waren wir früher Sklaven, so sind wir jetzt Söhne und Töchter Gottes geworden. Wir sind die Hausgenossen Gottes (Eph 2,19).

«Gott eröffnet neue Perspektiven»

Für mich ist das eine wunderbare Aussicht für das neue Jahr: Trotz meiner Grenzen ist Gott im Stande, mich zu öffnen und meinem Leben neue Perspektiven zu eröffnen.
Ich kann mich entscheiden, das zu tun! Seit Weihnachten habe ich die Möglichkeit, Gott zum Regisseur meines Lebensstückes zu machen.
Ja, ich kann sogar noch mehr: Wie Maria kann ich selbst in diesem Jahr zur Tür werden, durch die Gott die Szenerie dieser Welt (noch besser) betreten kann. Mit meiner und unserer Hilfe kommt der grosse Gott in die Welt, die ihn eigentlich und auf diese Art, vielleicht gar nicht erwarten würde.
Uns allen wünsche ich in diesem Sinne ein gesegnetes neues Jahr!

Predigttext: (Gal 4, 4-7; Lk 2, 16-21)