Predigtnachlese

Predigt zu Fronleichnam, 19.6.2014 – Text: Joh 6,51-58

flickr reaping 4 bible paval hadzinskiDie Aussagen des heutigen Festtages sind eigentlich ganz einfach:

  • Der, der damals mit den Jüngern am Abend vor seinem Tod Mahl gehalten hat, der feiert auch heute immer wieder mit uns, wenn wir uns um den Altar versammeln.
  • Und gleichzeitig: Gott, der uns später einmal zum „himmlischen Gastmahl" um seinen Tisch sammeln will, er schenkt uns seine Speise schon heute als Wegzehrung.

Entstanden ist das heutige Fest im Mittelalter: Als die Gläubigen die Kommunion nur noch sehr selten empfingen und doch weiterhin die Eucharistie verehrten, trat an die Stelle des Essens zunehmend der Wunsch, Christus in der Hostie zu sehen. Die Hostie wird seitdem und bis heute nach der Wandlung hochgehoben. Christus „ernährt" uns sogar schon, in dem wir ihn anschauen.

Und wie kam es zur Prozession? Ganz einfach. Wer alte Kirchen besucht, etwa in Rom, merkt schnell, dass dort eigentlich keine Bänke drin waren.
Das Sitzen in der Kirche war nicht vorgesehen und ist eigentlich ein neuzeitliches Phänomen. Vorher bewegte man sich frei im Kirchenraum und auch im Raum um die Kirche herum: Prozessionen in der Stadt, um die Stadt oder zu den Feldern waren normal. Wir kennen von da noch die Bittgänge – unseren Bittgang ins Kloster Frauenthal also.
Als dann in der Reformationszeit eine heftige Kontroverse um den Wert der Eucharistie entstand, wurde das Fest Fronleichnam von da an (um die Reformierten zu ärgern!) von den Katholiken umso festlicher begangen. Das erklärt warum die Prozessionen an manchen Orten so prächtig gestaltet sind und warum auf die Öffentlichkeitswirkung so grossen Wert gelegt wurde. Die Fronleichnamsprozession wurde also zum spezifischen Konfessionsmerkmal. Fronleichnam nennen manche daher auch das katholischste aller Feste.

Heute brauchen wir diese Art der Rivalität zwischen den Konfessionen sicher nicht mehr! Rivalität kann man während der WM ausleben: Solange am Ende Deutschland Weltmeister wird ist Rivalität dort völlig ok☺
In das Christentum und in die Religionen überhaupt, gehört Rivalität aber beim besten Willen nicht!

Der demonstrative Charakter der Fronleichnamsprozession könnte und sollte vielmehr heute einen neuen – die Christen miteinander verbindenden - Sinn bekommen:

  • Den nämlich, dass sich christliche Gemeinschaft immer aus der Tischgemeinschaft, aus der Versammlung um den Altar (Gottesdienst) mit Jesus Christus heraus konzipiert. Nicht wir sammeln uns, nicht wir beschliessen, Kirche zu sein. Nein, schlussendlich ist es immer Jesus selber, der uns sammelt. Und diese Sammlung entsteht immer aus dem gemeinsam im Gottesdienst gefeierten Mahl.

Daraus erwächst dass auch noch ein weiterer alle Christen verbindender Sinn:

  • Dass sich Gemeinschaft aus Christus heraus, dann nämlich auch nicht einfach einkuscheln darf in die Ein- und Abgeschlossenheit der eigenen Konfession oder Gemeinde.
  • Dass wir vielmehr Jesus Christus, der für uns das Brot des Lebens ist, hinaustragen sollen in die Welt. Ja, dass wir als Kirche und als Gemeinde am Ort wie Jesus auch, die Nähe zu den Menschen suchen und finden müssen, besonders zu all jenen, die hungern nach Nahrung, die sie überleben lässt - genauso wie zu denen, die hungern nach dem, was ihrem Leben Sinn einhaucht.

Fronleichnam ist eine Demonstration: Die Demonstration, dass Gott uns Menschen nahe ist!
„Wir sollen das zeigen und bezeugen und so für andere zur Hoffnung werden. Unsere Prozession mit der Monstranz möchte erfahrbar machen: Wir sind und gehen den Weg durch die Zeit als Kirche, als Gemeinschaft, die alle einlädt und allen zuruft: ‚Kommt und seht, wie gut der Herr ist! Die wahre ‚Monstranz' Christi – das sind wir alle, die an
ihn glauben und mit ihm unterwegs sind."

(Diakon Franz Allemann, Freiburger Nachrichten, 24. Mai 1989, zitiert auf www.liturgie.ch )

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