Predigtnachlese

Und die Lesung aus dem 2. Korintherbrief wird noch sinnbildlicher, wenn sie beschreibt, wie sich der dreifaltige Gott zeigt, indem er nämlich eine Gemeinschaft von Menschen schafft, die „einander mit dem heiligen Kuss begrüssen".
Es ist schade, dass wir die Geheimnisse unseres Glaubens heute vor allem mit dem Verstand auf ihren möglichen Wahrheitsgehalt untersuchen, statt wir versuchen, ob sie denn tatsächlich einfach mal lebbar wären.
Im Laufe der Jahrhunderte sind so leider aus anfänglich lebendigen Gemeinden weitgehend mit dem Staat vergleichbare Versorgungsinstitutionen geworden. Uns fehlt heute der Sensus für den dreifaltigen und lebendigen Gott.
Unsere Welt wäre aber darauf angewiesen, dass wir das wiederentdecken, was im Eröffnungsvers des heutigen Dreifaltigkeitssonntags gesagt ist: „Gepriesen sei der dreieinige Gott (...) denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt."
Unsere christlichen Gemeinden als Orte des Erbarmens, der Liebe und der Einheit, dass wäre es!
Das meint ja die Rede vom dreifaltigen Gott: Jesus, der Sohn, handelt an uns Menschen stellvertretend für Gott. Er tut nichts Eigenes. Er trägt einzig die Liebe Gottes in die Welt.

Und genau das erlebt die junge Christengemeinde in Korinth dann. Eine sehr heterogene Gemeinde übrigens, ohne idealtypische Voraussetzungen. Aber genau diese bunt zusammen gewürfelte Gemeinschaft erlebt: Wir sind Gemeinschaft von Gott her. Gottes Heiliger Geist bewirkt unter uns, dass wir (trotz unserer Unterschiede) leben können; „eines Sinnes" und „in Frieden".
Das ist nicht Menschenwerk, das ist allein göttliches Geschenk (Gnade), Wirken des Heiligen Geistes - seit Pfingsten.
Der Apostel Paulus wird seiner Gemeinde im weiteren Verlauf des Briefes schreiben: Ihr seid „ein Brief Christi (...) geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des
lebendigen Gottes" (2 Kor 3,3). Ihr seid Abbild und Vorbild, Zeichen in der Welt und für die Welt!
Vielleicht könnten, wir unserem Glauben im doppelten Sinn des Wortes besser be- greifen, wenn wir ihn einfach einmal zu leben anfangen; im Frieden miteinander, in gegenseitigen Erbarmen miteinander, im täglichen Lobpreis für den Gott, mit dem unser „ewiges Leben" ja eigentlich längst schon begonnen hat.

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