Predigtnachlese

2019 05 04 predigt

So ein Schuft, wie wir glauben könnten, ist der Mann im Evangelium gar nicht. Zwar sieht alles danach aus. Eigentlich bescheisst der Verwalter aber gar nicht.
Er erlässt seinen Schuldnern bloss den Zinssatz, der auf die Waren aufgeschlagen worden wäre. Und Zins zu nehmen, war nach den Sozialgesetzen Israels, eh nicht erlaubt.
Der vom Gutsherrn gefeuerte erlässt also den Schuldnern nur den Gewinn, der er und sein Herr sonst unrechtmässigerweise eingenommen hätten. Er entlastet mit den Schuldnern auch sein schlechtes Gewissen. Er macht sich Freunde und baut damit vor für seine Zukunft.

Wenn wir das Gleichnis so verstehen, wird verständlich, wieso Jesus so eindringlich den Wert und die Bedeutung des Mammons (Geldes) relativiert.
Für Jesus ist klar: Mit Besitz muss man verantwortlich umgehen. Er hat nämlich immer nur eine dienende Funktion. Reichtum hat keinen Sinn an sich. Wir sollen nicht unserem Vermögen trauen, sondern Gott.

So möchte ich euch heute animieren, einmal zu überlegen, in welche Währung, in welche Werte, ihr denn investieren und vertrauen möchtet.

Der Prophet Amos macht es mit deftigen Worten konkret. Klar und deutlich benennt er die Missstände seiner Zeit. Es waren Grossgrundbesitzer, die damals die Gesellschaft Israels dominierten.
Unverhältnismässiges Streben nach Gewinn und Reichtum kennen wir aber auch heute noch. Oft geschieht das auf Kosten der Ärmsten und Kleinsten. Weil sich die nicht wehren können. Am Ende der Lesung sagt Gott: „Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen.“ Das ist keine Drohung. Es ist eine Realität.

Am Ende wird abgerechnet. Dabei müssen wir gar nicht mal über göttliche Strafen nachdenken. Für mich reicht schon der Gedanke: Was werden meine Kinder, was werden meine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, meine Freunde und Bekannten wohl einmal von mir denken, wenn ich nicht mehr bin?
Was sollen sie von mir erinnern? Was könnte ich ihnen gegeben haben? Was möchte ich in ihnen hinterlassen?

Das Denken vom Ende her katapultiert mich augenblicklich ins Hier und Jetzt! Auf was setze ich?
Was rangiert höher auf meiner persönlichen Werteskala? Fairness, Gerechtigkeit und Solidarität, Vertrauen auf Gott? Oder mein Wille zum Erfolg, mein Egoismus und meine Interessen?

Noch einmal: Gott kritisiert nie Reichtum, Besitz und Talent! Kritisiert wird nur dann, wenn wir es falsch einsetzen.
Gott hat uns allen Talente und Fähigkeiten geschenkt. Sie sind quasi unser Grundbesitz. Und den sollen wir einsetzen und daraus können wir etwas machen – auch Gewinn! Wenn wir es aber übertreiben, wenn wir masslos werden und gierig. Dann können wir davon ausgehen, dass Gott ernsthaft enttäuscht sein wird.

Ich glaube im Übrigen nicht, dass Gott uns dafür strafen wird. Ich meine, bestraft hätten wir uns am Ende selbst genug. Wie das?

Vielleicht kennt ihr das ja auch. Manchmal bin ich an einem Punkt, da merke ich: Mist, ich liege völlig falsch. Ich war ungerecht. Ich habe mich mies benommen. Das reut mich dann. Das tut mir super leid. Und es ist irgendwie auch schrecklich peinlich. Diese Reue, diese Scham, die kann ernsthaft schmerzen. Wir wünsche bitterlich, dass wäre nie passiert.

Wenn wir das in unserem jetzigen Leben schon kennen und spüren. Um wieviel mehr muss es wehtun, wenn wir uns am Ende unseres Lebens - im Angesicht Gottes - eingestehen müssen. Ich hatte mich vergaloppiert. Ich sass in meinem Leben irgendwie auf dem völlig falschen Pferd. Ich habe Systemen vertraut und Theorien. Ich habe auf mich gesetzt und auf allerlei Berater.
Nur Gott und seine Botschaft, die aber habe ich nicht ernst genommen. Die Bibel spielte für mich nur am Sonntag. Sie umzusetzen habe ich auf den St. Nimmerleinstags verschoben. Aber der ist nie gekommen.

Das muss unendlich wehtun. Da stehen wir am „point of no return“ und haben es vermasselt. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ (Adorno). Das wenigste im Leben können wir noch einmal wiederholen.

„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst“, hat Albert Schweitzer gesagt.

Achten wir auf unsere Geisteshaltung und darauf, auf welche Währung wir setzen.

(Predigt am 22. September Mai 2019 – Am 8, 4-7, Lk 16, 1-13)