Predigtnachlese

 

Wohin sind wir denn unterwegs? Wohin geht bei uns die Reise?
Zwei Jünger sind unterwegs nach Emmaus, weg von Jerusalem, dem Ort des Glaubens. Sie entfernen sich. Sie sind vielleicht die ersten Protagonisten, die sich vom Glauben distanzieren. Weil sie keine Hoffnung haben. Weil Jesus in ihren Augen gescheitert ist. Weil er ihnen für ihr Leben nichts (mehr) zu sagen hat.
Sie wissen viel von Jesus – im Kopf. Aber ihr Herz hat er nicht erreicht. „Die Botschaft hör' ich wohl" sagt Faust auf seinem Osterspaziergang, „allein mir fehlt der Glaube."

Und während sie so einsam und erwartungslos ihren Weg gehen, kommt Jesus dazu. Völlig unspektakulär. Kein grosser Auftritt. Aber der Unbekannte fragt, hört zu, interessiert sich für sie und ihr Leben. Er verweist auf die Heilige Schrift und macht ihnen Lust auf neue Perspektiven.

Und er gibt ihnen Zeit; eine ganze Wanderung lang. Glauben braucht Zeit, braucht Geduld. „In den entscheidenden Fragen des Glaubens und Lebens gibt es keine Abkürzungen. Da muss man sich Zeit lassen und muss Geduld haben mit sich und den anderen – die Eltern mit den Kindern. Es ist dabei ja gut zu wissen, dass man Jesus nicht erst am Ende des Weges trifft, sondern schon unterwegs."

Und weil das Leben auch voller Dunkelheit ist, bitten sie Jesus in der Dämmerung: „Bleib." Und Jesus lässt sich nicht zweimal bitten. Er nimmt die Einladung an. Und er nimmt das Brot und teilt es.
Da gehen ihnen die Augen auf. Das wird gleich zweimal gesagt, damit es bloss jeder merkt. Wo Brot und Leben geteilt werden, da wird Christus erkannt. Da gehen uns die Augen auf und das Herz. „Da werden aus den bleiernen Herzen brennende Herzen." „Brannte uns nicht das Herz in der Brust..." (Lk 24, 32)

Das ist so schön, da könnte man sich glatt häuslich niederlassen. „Bleib doch." Aber Emmaus ist eben doch nur Zwischenstation. Wenn man erkannt hat, wenn das Herz brennt, dann will man nur noch los und aufbrechen. Nach Jerusalem, ins Zentrum. Dahin, wo die Post abgeht!

Da will man bezeugen: „Der Herr ist wirklich auferstanden!" (Lk 24, 34) Dann tut sich ein völlig neuer Horizont auf.

„Man kann sich heute leicht aus dem Staub machen, aber dann fragt man sich vielleicht schliesslich doch irgendwann, warum zum Teufel man überhaupt aufbricht und unterwegs ist.
Achten wir doch darauf, dass uns das Wort nicht ausgeht, das unserem Leben Richtung gibt. Dass uns das Brot nicht ausgeht – das gebrochene – von dem wir Leben. Das ist das Erkennungszeichen Jesu. Das schenkt uns die Gewissheit: Jesus lebt!

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In diesem Jahr ist die Predigt massgeblich vom ehem. Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, beeinflusst. Zufall oder nicht☺Alle Zitate, die nicht anders gekennzeichnet sind, sind von ihm.

Quellen:
„Mach's wie Gott, werde Mensch". Ein Lesebuch zum Glauben, Freiburg 2013. „Gott ist kein Nostalgiker". Anstösse für die Fasten- und Osterzeit, Freiburg 2012.

 

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