Predigtnachlese

Der Autor dieses Textest stellt sich so manche Frage, die sich auch uns, die wir um einen geliebten Menschen trauern, auch stellen. Auf viele Fragen finden wir keine Antwort, mancher Tod und auch manches Leben ist so tragisch, dass wir sprachlos sind. Der Tod trifft uns immer, auch wenn er absehbar oder sogar erwartet war. Und er wirft uns immer auf die Grundfragen der Existenz. Wenn uns der Tod be-trifft, dann fragen wir uns immer was bleibt. Ob und wie es für den Verstorbenen weitergeht. So fragt auch der Autor unseres Gedichtes – wo ist deine Seele, wo ist deine Liebe, wo ist dein Herz?
Was kommt nach dem Tod? Die meisten von uns glauben nicht daran, dass es mit dem Tod vorbei ist, sondern viele haben eine Ahnung oder Hoffnung, dass da noch etwas ist, das noch etwas bleibt.

Was wir spüren dürfen – und was wir vor allem am Anfang erst einmal ertragen müssen ist, dass die Verstorbenen Spuren hinterlassen haben, die sie uns im Alltag lebendig halten. In so manchem Buch schrieb meine Mutter mir eine Widmung, wenn ich sie lese, sehe ich sie vor mir. Das Bild an der Wand von der letzten Familienfeier, das Lied im Radio, das er so gerne hörte, sein Stuhl, ihre Lieblingstasse, ein Wort, ein Geruch und schon ist die Erinnerung an ihn/an sie lebendig.
Wenn etwas Zeit vergangen ist, und wir an unserer Trauer gearbeitet haben, werden diese alltäglichen Erinnerungen nicht mehr schmerzlich sein, sondern uns mit Dankbarkeit und hoffentlich auch mit einem Lächeln erfüllen. Doch dieser Weg dauert manchmal Jahre.

Unsere Verstorbenen leben in unseren Erinnerungen und in unseren Herzen weiter. Das ist schön und auch gut so. Doch dabei soll es nicht bleiben. Wir dürfen unsere
Herzen nicht zu Friedhöfen machen. Unsere Herzen dürfen wir für eine viel grössere Hoffnung öffnen. Eine Hoffnung, die uns selbst genauso betrifft, wie auch die um die wir trauern. Eine Hoffnung, ein Ahnen, ein Zweifeln ein Ringen damit, dass der Tod nicht das Ende sondern der Beginn eines neuen und heilen Lebens ist. Diese Hoffnung ist keine Erfindung von Menschen, die Angst vor dem Endgültigen haben, sondern geht auf eine Erfahrung zurück, die Menschen vor langer Zeit gemacht haben.
In der Lesung haben wir gehört:
Wenn Jesus, und das ist unser Glauben – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen. Dann werden wir immer beim Herrn sein.

Das, was die Apostel da schreiben, das war nicht irgendwas was sie sich ausgedacht haben – sie haben die Auferstehung Jesu wirklich mit eigenen Augen gesehen und erlebt und diese Hoffnung und dieser Glaube haben sie weitergegeben, und dieser Glaube will UNS HEUTE Trost schenken. Auch Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt.
Seine Frage an Marta – Glaubst du das? Stellt er heute auch uns – glaubst du das? Ich glaube nicht daran, dass Jesus uns mit dieser Frage unter Druck setzen will oder ein Bekenntnis verlangt, sozusagen als eine Voraussetzung fürs ewige Leben. Sondern dass er uns heute fragt – darf ich deine Hoffnung sein? Darf ich dir den Glauben schenken, der dir hilft das Leben mit all seinem Leid zu ertragen? Darf ich dir die Angst vor dem Tod mit seiner scheinbaren Endgültigkeit nehmen?
Wir werden immer beim Herrn sein, so die Worte der Apostel. Wir werden in der Gegenwart Gottes weiterleben in seinem Licht, nahe bei ihm und allen die uns lieb waren. Das ist die Hoffnung, in die wir heute unsere Verstorbenen geben dürfen. Sie sind nicht im Nichts, Ihr Leben, ihr Wesen, ihre Seelen und all ihre Liebe existiert weiter bei Gott.

Dieser Glaube erhellt unseren Trauerweg, dieses Vertrauen auf Gott, sei es noch so klein, gibt ein Ziel, ist Licht in der Dunkelheit – es ist da, auch wenn wir es gerade im Moment noch nicht sehen können. Gott ist da – auch wenn wir gerade furchtbar wütend auf ihn sind und an ihm und seiner Liebe zweifeln. Er ist da und er bleibt da. Der heutige Tag will uns genau daran erinnern.
Ich bin die Auferstehung und das Leben – jeder der an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Amen.

 

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