Predigtnachlese

2019 05 04 predigt

 

Stelle dir vor, du bist auf einen Apéro eingeladen. Die Gäste stehen im Raum verteilt an Stehtischen. Du hast ein paar Bekannte entdeckt und dich dazu gesellt.

Da ist Hildi. Sie hat sich vor zwei Wochen von ihrem Mann getrennt. Und irgendwie sieht sie dauerverheult aus. Jürg ist erfolgreicher Werbetexter. Sein „ich-komme- grad-vom-work-out-hippster-look“ riecht dir zu fest nach Duschgel. Ist der eigentlich immer nur gut drauf? Na, eigentlich ist er ganz ok. Und Stefan. Ach, Stefan! Der leidet seit Jahren an seinem Job, hatte schon zweimal einen Zusammenbruch, lässt sich aber nicht helfen. «Beratungsresistent» nennt man das, da machst du nichts! Petra, nein, mit Petra willst du auch nicht tauschen. Die ist mit ihren drei Kindern ja völlig überfordert. Wenn sie sich wenigstens mal den Coiffeur gönnen würde…

Und da bist ja noch du selber. Besser als die, bist du auch nicht. Nur anders. Würde jetzt die gute Fee kommen und du hättest drei Wünsche frei… Ja, und dann? Das Leben kann ganz schön mittelmässig sein.

Und jetzt bist du an diesem Apéro. Warum eigentlich? Du hast ein bisschen Smalltalk mit diesen. Du geniesst dein Glas Wein. Die Lachshäppchen sind eigentlich noch gut!

Plötzlich geht die Tür auf und der Gastgeber erscheint. Für einen Augenblick schauen alle nur auf ihn. Er geht von Tisch zu Tisch und begrüsst jede und jeden einzeln.

Die Szenerie ist ja noch unverändert. Hildi ist noch immer traurig. Jürg duftet immer noch. Stefan leidet weiterhin an seinem Job Und Petras Kids nerven wohl noch länger.
Und doch ist plötzlich etwas anders. Es fühlt sich gut an! Die Ankunft des Gastgebers macht den Unterschied. Sein Dasein verbindet alle. Aus der Vereinzelung ist eine grosse, unsichtbar verbundene, Gemeinschaft geworden. Ihr gehört doch zusammen – irgendwie.

Das ist für mich eine Weihnachtsvision! Jesus Christus, der Herr, kommt in seine Welt. Er verbindet alle und alles. Und obwohl sich die Szenerie unseres Lebens äusserlich nicht ändert, ist doch mit einem Mal alles anders.
Die Welt und dein Leben werden nicht automatisch besser. Aber ER verbindet. ER sammelt. Und wir sind als sein Volk seine Gäste. Mit dem Blick auf IHN werden wir alle zu Schwestern und Brüdern. Wir werden Teil seiner grossen Familie.

Ob und wieviel Energie das bei uns freisetzt? Ich weiss es nicht. Vieles ist nicht machbar. Auch das lehrt uns der Apéro. Da weiss man nie, wie es rauskommt. Das Christentum ist letztlich keine Anleitung zum Glücklichsein.
Vielmehr steht ER im Zentrum: Jesus Christus! Christlich leben heisst in Beziehung leben. Und das macht im Leben einen, nein, den entscheidenden Unterschied.

Heiss‘ IHN willkommen! Jetzt und in den nächsten Tagen und an jedem Tag, der dir geschenkt ist. Das Leben ist ein Stehempfang. Und du, du bist der Gast hier!

Christmette, 24.12.2019