Predigtnachlese
 
 
Und hier stellen wir gerne wieder die Predigt von Gemeindeleiter Christian Kelter zur Verfügung.
 
 
 

«Willkommen im Team!»
Gottes Personalstrategie!

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Am vergangenen Sonntag hatten wir gehört, wie Gott dreifaltig kommuniziert und uns so seine Botschaft mitteilt. Heute kommt quasi Teil 2. Denn jede Botschaft braucht ja auch Botschafter. Heute geht es also um die Göttliche Personalstrategie!
Jesus sieht die Menschen und hat Mitleid mit ihnen. So viel Gewimmel und Gerenne. Alle strampeln sich ab, suchen das Glück. Und so viele werden müde und erschöpfen (Mt 9,36). Ach, wenn sie doch wüssten, dass sie sich gar nicht selbst erlösen können, dass sie es auch gar nicht müssen. Dass Gott immer schon für sie da ist, dass er sie sucht, dass er sie liebt – vor und jenseits aller Leistung und allen Versagens. Das muss unbedingt gesagt werden. Aber von wem? «Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.» (Mt 9,37)
Es braucht jetzt maximal viele Menschen, die die Botschaft Gottes weitererzählen. Aber welche Mitarbeiter, mit welchen Qualifikationen werden benötigt? Welches Profil hat das Human Ressource Management Gottes, damit es auf den Marktplätzen der Welt unverwechselbar überzeugen kann? Und last but not least: Welche Werte braucht es, damit die auch Botschaft glaubhaft ist?
Gehen wir diese drei Punkte in aller Kürze durch. Währenddem könntest du bereits überlegen, ob du dich nicht als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter Gottes zur Verfügung stellen könntest. Eben: Arbeit ist genug da. Auch dein Umfeld wartet auf die Frohe Botschaft.
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1. Welche Mitarbeiter werden mit welchen Qualifikationen benötigt?
Wenn wir schauen, wen Jesus als erstes auswählt, fällt sofort aus: Das sind alles einfache Menschen. Es braucht weder Studium, noch akademische Titel. Die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beruft Jesus mitten aus dem Leben. Das scheint eine wichtige Qualifikation zu sein: Dass man das Leben kennt - nicht nur mit den rosa Seiten, sondern auch mit den dunklen. Gott braucht Menschen, die das Leben lieben, die sich interessieren –für das Schicksal, die Freuden und Sorgen anderer Menschen. Leute, die die Zeichen der Zeit deuten, die hinhören und die heilen können, sammeln, intergrien.
Auch ein blitzblanker Lebenslauf ist nicht nötig. Jesus rekrutiert sogar Menschen wie Matthäus – ein Zöllner, Schuft und Halsabschneider. Eine zwielichtige Gestalt aus halbseidenem Milieu. Jesus sieht seine Qualität: Dieser Matthäus ist einer, der noch was will. Ein Mensch, der sucht, der nicht satt ist, nicht selbstzufrieden. Matthäus muss einen wachen Geist und ein hörendes Herz gehabt haben. Er hat etwas, was man im Fussball Torjäger-Qualitäten nennt. Er erkennt Chancen. Er steht richtig und weiss um den perfekten Zeitpunkt, sie zu nutzen. Die Begegnung mit Jesus ist für ihn so eine Chance. Jetzt kann er was ändern. Gott gibt ihm eine neue Chance. Und diese Erfahrung kann Matthäus ab sofort anderen weitererzählen.
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2. Welches Profil hat das Human Ressource Management Gottes, damit es auf den Marktplätzen der Welt unverwechselbar überzeugen kann?
Das erste, was Jesus sagt ist: «Geht» (Mt 10,7). Das überrascht. Heute haben wir eher das Gefühl, die anderen müssten gehen – zur Kirche, in die Erstkommunion-Vorbereitung, zum Pfarrer. Jesus sagt aber: «geht ihr hin!». Die Verkündigung der Frohen Botschaft findet weder zuerst in heiligen Räumen, noch durch Katechismen oder Strukturen statt. Die Frohe Botschaft muss auf die Plätze dieser Welt. Sie muss erzählt werden an die Hecken und Zäunen. Das ist anstrengend, nicht immer angenehm und schon gar nicht von sicherem Erfolg gekrönt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jesus dürfen keine Berührungsängste haben. Sie sollen Arbeit nicht scheuen. Sie müssen ausdauernd sein. Alle, wirklich alle, sollen die gute Nachricht von Gott hören. Jesus möchte keine Eliten bilden, seine Kirche darf keine Minderheit, kein «heiliger Rest» sein. Jesus will, dass sich alle Menschen von Gott angesprochen wissen. Die Suchenden, die Notleidenden, alle, die irgendwie nach Leben hungern, müssen sich darauf verlassen können, dass Gottes Personal früher oder später bei ihnen vorstellig wird.
Papst Franziskus beschreibt das Profil der Christinnen und Christen so: «Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.» (Evangelii gaudium, November 2013, Nr. 49)
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3. Welche Werte braucht es, damit die Botschaft glaubhaft ist?
Klar, sind Gott Werte wichtig. Werte braucht es deshalb auch bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Inhalt und Form müssen ja übereinstimmen. Botschaft und Botschafter sind nicht voneinander zu trennen. Sonst wird es unglaubwürdig, lächerlich. Sonst gerät alles zur Heuchelei.
Einiges von dieser Werten ist eben bereits angeklungen: Dass die Botschaft Gottes nur auf Augenhöhe verkündigt werden kann. Dass sich niemand besser fühlen und darstellen muss, weil wir vor Gott alle gleich sind. Dass die Botschaft nicht wie eine schwere Last verkündigt werden darf (Mt 23,4). Gute Botschafterinnen und Botschafter sind demütig, animieren zum Guten ohne anderen ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie motivieren, statt Fehler zu suchen. Und: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes leben einfach. Sie machen sich abhängig von anderen (z.B. einer Kirchensteuer). Sie reisen mit leichtem Gepäck. Sie leben gewaltfrei, suchen Gemeinschaft, schätzen Gastfreundschaft. Sie sind klug und ohne Falsch.
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Vielleicht hast du es beim Zuhören gemerkt: Ja, es ist so! Du passt super in Gottes Anforderungsprofil. Und wenn du fragst, was du jetzt tun könntest: Nun, lebe einfach das, was du von Gott verstanden hast. Und erzähl das weiter! Und tu es mit ganzem Herzen und allen Sinnen. Willkommen in Gottes Team!

(Christian Kelter, Hünenberg, 14. Juni 2020)