Predigtnachlese
 
 
 

«Gott hat’s erfunden!»
Von Fondue und Kappeler Milchsuppe (Mt 14, 13-21)


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Lasst uns über Fondue reden. Es ranken sich viele Legenden darum. fondue 614233 1920
Die einen behaupten, es sei von Sennen erfunden worden. Die hätten, von der Umwelt abgeschnitten, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln überlegt, was man daraus wohl machen könnte. Die Nahrungsmittel, das waren eben Käse und Brot. Und so entstand das Fondue. Eine schöne Geschichte.

Eine andere Legende behauptet Mönche hätten es erfunden. Die durften in der Fastenzeit keine feste Nahrung zu sich nehmen. Pfiffig wurde der Käse durch Schmelzen kurzerhand zu flüssiger Nahrung gemacht. Jetzt konnte man essen ohne das Fasten zu brechen.

Die schönste Legende ist aber vielleicht die, dass der Ursprung des Fondues in der Kappeler Milchsuppe liege, die beim Friedensschluss im ersten Kappelerkrieg gegessen wurde.
Wie auch immer: Die Herkunft des Käsefondues ist also unklar. Und – ich gebe es zu - es geht mir auch gar nicht so sehr um das Fondue.
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Es geht mir darum, dass das geht: das zu nehmen, was man vorfindet – und sei es noch so wenig – und daraus etwas Gutes zu machen. So macht es Jesus bei der Speisung der vielen Menschen. Er nimmt was da ist und macht was draus.

Die Jünger verhalten sich erst einmal völlig anders. Sie sehen nicht auf das, was da ist. Sie sehen, was nicht da ist. «Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische.» Das heisst für sie: «Es reicht nicht». «Es ist zu wenig.» «Das bringt alles nichts.» Das ist nach Jesus keine gläubige Haltung. So kommt man nicht weiter.

Und auch wir machen es oft wie die Jünger:
• Da klagt eine darüber, was der Ehemann nicht ist, statt dass sie überlegt, weshalb sie sich denn mal in ihn verliebt hat.
• Da ärgert sich jemand darüber, was die Arbeitskollegin nicht kann, statt dass er sich fragt, in was sie denn richtig gut ist.
• Da ist jemand frustriet, dass jetzt Fernreisen nicht möglich sind. Und kommt gar nicht darauf, dass es im Engadin, am Neuenburgersee oder in Basel auch schön sein könnte.


Wenn ich immer nur auf das schaue, was nicht da ist. Wenn ich mich fixiere auf das, was jetzt grade nicht geht. Wenn ich den Mangel beklage. Dann frustriere ich mich nur. Ich komme aber nicht weiter. Und ich übersehe vor lauter Klagen ziemlich sicher die Chancen, die vor mir liegen.
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Jesus denkt anders. Er schaut auf das, was da ist. Da geht es um mehr, als nur um: «Wenn jeder teilt was er hat, dann werden alle satt.» Das wäre ja nur moralisch argumentiert. Jesus geht es um etwas Tieferes: Jesus betet. Und Beten heisst nicht, auf Zaubertricks zu hoffen. Beten heisst: sich ganz auf Gott zu konzentrieren und ihm alles zuzutrauen.

Es ist schon gut, wenn wir miteinander teilen. Es ist aber zuerst einmal Gott, der sein Leben mit uns teilt! Und uns alles gibt – alles, was wir brauchen.

Das ist der wesentliche Aspekt des Christseins! Wir müssen Gott nicht bitten, dass wir etwas bekommen. Wir müssen Gott nicht bitten, dass wir etwas werden. Gott hat uns schon alles gegeben! Und wir sind etwas und alles – von Gott her, seit der Taufe.

Das meint es, mündig zu glauben:
• Nicht beten: «Schenke uns morgen gutes Wetter.» Sondern: «Hilf uns, aus dem morgigen Tag bei jedem Wetter das Beste zu machen.
• Nicht zu beten: «Schenke uns mehr Wohlstand.» Sondern: «Lass uns mit den Gaben die du schenkst, das Beste für alle machen.»
• Nicht zu fragen: «Warum lässt du das zu?» Sondern zu vertrauen: «Mit dir Gott werde ich auch das Schwere im Leben bestehen.»

Egal ob in der Partnerschaft, bei der Arbeit, in Politik, Kultur – auch in der Kirche. Es ist genügend da. Gott hat es uns längst geschenkt.

Wenn wir es schaffen, unsere Haltung gegenüber Gott zu verändern, dann wird sich auch unsere Welt verändern. Wenn wir es schaffen, glaubend und staunend nach dem zu suchen, was da ist, was ER für uns bereitet hat, dann verändert sich – wer weiss - vielleicht sogar alles!
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Und um noch einmal zum Fondue bzw. zur Kappeler Milchsuppe zu kommen. Augenzwinkernd können wir feststellen, wie der Kreis sich schliesst.

Während die Heerführer in Kappel miteinander verhandelten, nutzen die Fusstruppen frech und flink die freie Zeit und kochten miteinander. Dass nämlich, was da war. Die Zuger sollen die Milch und die Zürcher das Brot beigesteuert haben. Das ergab Milchsuppe. Die haben sie miteinander gegessen. Und Frieden geschlossen.

Wir müssen nicht alles neu erfinden. Es ist schon alles da. Für einmal haben’s nicht die Schweizer erfunden. Gott hat's erfunden.

(Christian Kelter, Hünenberg, 02. August 2020)