Predigtnachlese
 
 
Und hier stellen wir gerne wieder die Predigt von Gemeindeleiter Christian Kelter zur Verfügung.
 
 
 

«Braucht es Whistleblower?»
Wie Jesus Konflikte angeht!
Mt 18,15-20
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Seit ein paar Jahren taucht ein neuer Begriff immer und immer wieder auf: der Whistleblower. Ein Whistleblower ist einer, der wichtige Informationen aus einem geheimen oder geschützten Zusammenhang an die Öffentlichkeit bringt. Das können Missstände aller Art sein. Der Whistleblower weiss darum oder erfährt davon und prangert sie dann öffentlich an.
Whistleblower genießen einerseits ein hohes Ansehen. Sie sorgen für Transpadli wahid gw1qr7gs9ee unsplasharenz. Andererseits werden sie auch angefeindet. Sie machen internes öffentlich und verletzten damit nicht selten Vertrauen. Das tut weh.
Wie Jesus zu Whistleblowern stehen würde? Ich weiss es nicht. Was mich aber fasziniert ist die Art und Weise, wie Jesus seine Konflikte angeht. Davon lesen wir an diesem Sonntag und ich zitiere einmal das Wichtigste:
«Wenn jemand gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du ihn/sie zurückgewonnen.
Hört er (oder sie) aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde.
Hört er (oder sie) auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er (oder sie) aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er/sie für dich wie die Heiden oder die Zöllner.»
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Die erste und elementarste Stufe einen Konflikt zu lösen, ist also das Vier-Augen-Gespräch. Es geschieht, der Begriff legt es nahe, am besten auf Augenhöhe. Bin ich nicht auf Augenhöhe, fühle ich mich entweder unterlegen oder überlegen. Dann ist unweigerlich Ohnmacht oder Macht im Spiel. Ohnmacht und Macht aber sind nie geeignete Instrumente, um einen Konflikt zu lösen. Wer es dagegen wagt, sich auf Augenhöhe zu begegnen, hat gute Chancen, sich wirklich zu verstehen.
Ist der Konflikt unter vier Augen nicht zu lösen, geht Jesus auf die zweite Stufe. Hier kommen andere Leute hinzu. Und damit kommt hoffentlich nicht nur mehr Objektivität in die Sache, sondern vielleicht auch mehr Weisheit. Manchmal liegt die Lösung eines Konflikts ja einfach auf einer anderen inhaltlichen Ebene. Und auf die komme ich vielleicht erst mit Hilfe von jemand Drittem.
Hilft das dann auch nicht, dann käme, nach Jesus, vielleicht der Whistleblower zum Zug. Dann muss es öffentlicher werden. Ein Streit oder Missstand hat sehr oft ja auch eine soziale Dimension. Weil andere womöglich indirekt oder direkt betroffen sind. Doch Achtung: Auch hier geht es nie darum, den anderen bloss zu stellen und fertig zu machen. Wir hören es ja förmlich aus den Formulierungen heraus. Jesus geht bei aller Ehrlichkeit und Offenheit doch immer auch sehr behutsam und diskret vor.
So müssen wir dann wohl auch den letzten Teil verstehen: «Hört er (oder sie) aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er/sie für dich wie die Heiden oder die Zöllner.»
Das heisst eben nicht: «Jag’ sie zum Teufel!» oder «Vergiss’ den Kerl!» Heiden und Zöllnern hat Jesus sich ja besonders intensiv zugewendet. Es geht Jesus immer um den Menschen. Die Realität ist ihm wichtiger als das Ideal. Die Würde des Einzelnen, die Sorge um den Konsens und das Eröffnen von Perspektiven, das hat für Jesus die absolute Priorität.
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Fehler können passieren, Streit darf es geben, Missstände können sich einschleichen. Die entscheidende Frage ist, wie wir gemäss Jesus’ damit umgehen.
Es macht mir Sorgen, wie in unserer Gesellschaft mit- und gegen einander gestritten wird, lieblos und unter der Gürtellinie. Es bestürzt mich, wie Menschen gemobbt und fertig gemacht werden, auf dass sie kaum je wieder aufstehen können. Es beängstigt mich, wie wir einander unversöhnlich behandeln und uns so die Gegenwart und gleich auch noch die Zukunft zur Hölle machen.
Ich bin da ganz schön ratlos. Ich erlebe mich ja auch immer als Teil des Problems. Was tun?
Am Ende seiner Konfliktlösungs-Strategie sagt Jesus noch etwas. Und das rückt das alles noch einmal in ein ganz anderes Licht:
«Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.»
Beten – im Konfliktfall. Das Thema, die streitenden Parteien und vor allem den angeblichen Gegner betend vor Gott bringen. Das ist es! Das können Christen! Das macht den Unterschied! Das bringt eine zusätzliche und unglaublich kraftvolle Dimension in alles!
Heisst: wir alle könnten das versuchen:
Bevor du ein Problem unter vier Augen ansprichst, bete für eine gute Lösung.
Bevor du im Team jemand kritisierst: Bete um einen konstruktiven Ausgang.
Bevor du etwas öffentlich machst: Bete, dass deine Kritik aufbaut und nicht zerstört.
Vielleicht würde das ja etwas Entscheidendes verändern. Und wer weiss, am Ende wären Whistleblower überflüssig.

(Christian Kelter, Hünenberg, 06. September 2020)