Predigtnachlese
 
 
Und hier stellen wir gerne die Predigt von Gemeindeleiter Christian Kelter als Podcast ab Sonntagnachmittag zur Verfügung.
 
 
 

«Nicht reden! Machen!»
Weil Gott an dich glaubt
Mt 21,28-32
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Vor eineinhalb Jahren haben wir in der Pfarrei einen Weinberg angelegt. Weil das Gelände eben ist und vorher ein Garten war, nennen wir ihn ein bisschen zärtlich unseren Wein-Garten.
Wir, das sind zehn ambitionierte Männer. Wir lieben die Natur. Wir bewegen uns gern. Und wir trinken gerne guten Wein. Die meisten von uns sind handwerklich ziemlich begabt. Zwei haben schon viel Erfahrung mit dem Weinbau. Sie sagen wie es geht. Sie sind die Vorarbeiter, an denen wir lernen können. grapes 3550733 1920
Ich dagegen bin handwerklich wenig begabt. Der gute Wille ist da. Aber ich habe zwei linke Hände. Trotz bester Erklärungen würde man mit mir allein wenig erreichen. Da braucht es schon andere. Solche, die richtig anpacken können.
Ich konzentriere mich auf das, was ich kann. Ich kümmere mich um die Finanzen und sorge für Verpflegung. Ich bete um Wachstum und spende Segen für Arbeiter und Reben. Jeder macht das, was er kann.
Alle zusammen geniessen wir die Natur. Wir arbeiten nach Feierabend oder samstags. Und wir sehen: unsere Mühe lohnt sich. Das Gefühl war unbeschreiblich, als wir vor zwei Wochen die ersten Trauben ernten durften.
Im Wein-Garten wird deutlich: Reiche Ernte ist nicht selbstverständlich. So vieles haben wir nicht in der Hand. Das Wetter hast du nicht im Griff. Und auf Mäuse, Fliegen und Wespen kann man oft erst reagieren, wenn der Schaden schon da ist. Und: wir können das Wachsen nicht bewirken. Das macht ein anderer. Er ist wirkmächtiger und weiser und besser als wir.
Wir aber, wir können gute Bedingungen schaffen. Bedingungen, in denen Wachstum möglich ist. Wir können hegen und pflegen, wir können stutzen und putzen. Dann kann etwas werden. Dann kann wachsen und sich entfalten, was Gott reifen lassen möchte. Uns allen zur Freude!
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Warum erzähle ich das? Auffällig oft spricht die Bibel vom Weinbau. Es scheint, als ob Gott Freude daran hätte, die Welt (uns!) mit einem Weinberg zu vergleichen. Ich finde das extrem sympathisch: Gottes Idee von der Welt – sein Reich, wie wir gerne sagen – das ist wie ein Weinberg.
Im Evangelium von heute wählt Jesus auch dieses Setting. Und er will uns etwas Wichtiges in Erinnerung zu rufen. Er fragt: «Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?»
Ich nehme an, Jesus meint die Frage rhetorisch. Allen ist ja wohl klar: Am Ende zählt das Ergebnis. Das gilt im Weinberg und auch sonst im Leben. Es zählt, was du tust, nicht so sehr, was du sagst. Klar, Worte sind auch wichtig. Worte können erklären, können ermutigen, können zum Handeln anregen. Worte allein bewirken im Weinberg aber gar nichts. Hätten wir in unserer Wein-Garten Truppe nur Wortakrobaten wie mich, da würde maximal das Unkraut wachsen.
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Taten sind wirksamer als Worte. Taten sprechen lauter als Worte. Zu schnell vergessen wir das. Wir werden lethargisch, ein bisschen faul oder mutlos. Wir meinen, allein doch eh nichts bewirken zu können.
Aber Gott zählt auf uns. Jesus klingt durchaus streng, wenn er sagt: Wenn ihr nichts tut, wenn ihr nur «ja, ja» sagt, dann wird das nichts mit dem Himmelreich.
Am Ende wird nicht zählen, was wir erklärt und gewusst haben. Am Ende wird nicht zählen, was wir gepredigt haben und wie viele Bücher wir geschrieben haben. Am Ende zählt vor Gott, was wir bewirkt haben.
Das klingt anspruchsvoll. Aber offensichtlich traut Gott uns das zu. Gott fordert doch nichts Unmögliches von uns. Gott glaubt an uns.
Und wir beten und bekennen das ja auch: «Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.» Dann sollten wir auch mithelfen. Wir sollten meinen, was wir beten und tun, was wir sagen.
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Und hey, das können wir! Da, wo du lebst. In deinem und meinem Weinberg, da können wir viel tun. Im Weinberg deiner Beziehung, Ehe und Familie. Im Weinberg deiner Schule oder Arbeitsstelle. Im Verein, in der Band, im Chor, in der Partei und in der Pfarrgemeinde.
Überall dort kannst du helfen, dass etwas entsteht. Dass etwas wächst und lebendig wird. Das etwas aufblüht und Frucht bringt.
Ich verrate dir noch etwas: In unserem Wein-Garten trinken wir nach der Arbeit meistens noch etwas. Und schauen dabei mit Freunde und mit Stolz auf unsere Arbeit. Nur eineinhalb Jahre und es ist soviel entstanden und gewachsen. Weil wir mutig waren. Weil wir es angepackt haben. Weil wir dran geblieben sind. Und weil wir darauf vertrauen, dass da einer mit uns ist. Dass wir nicht allein sind. Dass er Wachstum schenkt, wo wir uns engagieren.
Das kannst du auch! Am Abend eines jeden Tages schau doch einfach mal kurz zurück. «Wo ist durch mich am heutigen Tag etwas gewachsen? Wo kam durch mich heute ein bisschen mehr Freude und Friede in den Weinberg meines Lebens?»
Wir haben nicht alles in der Hand. Aber wir können mit unserem Tun für gute Lebensbedingungen sorgen. Und noch eines möchte ich dir sagen: Ob es dir bewusst ist oder nicht. Mit allem, was du im Sinne Gottes tust, baust du mit an seinem Reich, bist du Mitarbeiterin und Mitarbeiter in seinem Weinberg.
Na, das klingt doch gut, oder? Das geht doch runter wie Öl. Oder wie ein guter Tropfen Wein.

(Christian Kelter, Hünenberg, 27.09.20)