Predigtnachlese
 
 
Und hier stellen wir gerne die Predigt von Gemeindeleiter Christian Kelter als Podcast zur Verfügung.
 
 
 

Zahltag!»
Warum du dein Talent einsetzen solltest.
Mt 25, 14
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Zahltag! Kassensturz! So oder ähnlich können wir das betiteln, was Jesus uns heute als Botschaft vorlegt. Es geht ihm einmal mehr um den Himmel. Oder genauer gesagt: es geht Jesus um das, was wir tun sollen, bis es mit dem Himmel soweit ist. Wie soll ich leben? Er erzählt uns ein Gleichnis. Schauen wir genauer hin.

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Da verteilt ein reicher Mann an seine Mitarbeiter Talente/Silbergeld. Er selbst verreist. Bis er wiederkommt sollen die Mitarbeiter mit dem ihnen Anvertrauten wirtschaften. Um das kurz aufzuklären: Jesus meint tatsächlich Geld. Jesus meint sehr viel Geld. Seine Zuhörerinnen und Zuhörer werden schön gestaunt haben. Ein Talent entspricht 6'000 Denaren. Ein Denar reicht um eine grosse Familie einen Tag lang zu ernähren. Der eine Mitarbeiter erhält fünf dieser Talente, ein zweiter zwei. Ein dritter Mitarbeiter erhält ein Talent Silbergeld. zahltag
Wie das so ist, wirtschaften die Mitarbeiter sehr unterschiedlich. Der erste gewinnt mit Hilfe seiner fünf Talente noch weitere fünf dazu. Auch der mit den zwei Talenten kann das ihm anvertraute Geld verdoppeln. Nur der mit dem einem Talent gewinnt nichts. Das liegt nicht etwa daran, dass er Pech gehabt hätte oder eine schlechte Ausgangslage. Nein, er hat erst gar nicht versucht, etwas aus dem Vermögen zu machen. Aus Angst, etwas zu verlieren, hat er sein Talent vergraben. Oder war er einfach zu faul? Wir wissen es nicht. Doch als der Herr wiederkommt wird abgerechnet. Da werden die beiden, die gut gewirtschaftet haben, überschwänglich gelobt. Sie erhalten den Himmel - in jeder Hinsicht. Der Dritte jedoch, der arme Kerl. Es muss sich nicht nur so einiges anhören. Er wird geschasst. Der Herr wirft ihn kurzerhand raus.

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Ich denke, wir haben das verstanden: Der reiche Mann, das ist Gott. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind wir. Gott stellt uns unvorstellbar viel zur Verfügung. Alles, was wir haben, es ist von ihm. Das können wir existenziell verstehen: Wir leben in einem sicheren Land. Wir leiden keine Not. Unsere Lebensqualität ist unfassbar hoch. Wir können es gleichzeitig aber auch anders interpretieren. Talente sind für uns auch Fähigkeiten. Wir können sie ausbilden. Wir haben beinah unbegrenzte Möglichkeiten, sie zu entfalten. Wir sind sehr privilegiert. Wir sind reich beschenkt. Es ist nicht alles gleich verteilt. Aber jede und jeder hat etwas bekommen.
Gott will – um das rauszufinden müssen wir nicht viel interpretieren – dass wir das nutzen und einsetzen. Wir sollen das Bestmögliche daraus machen. Ob am Ende viel herauskommt oder nicht, das scheint gar nicht so wichtig zu sein. Gott wird aber ziemlich gallig, wenn wir zu wenig oder gar nichts tun. Wenn wir unser Talent vergraben. Wenn wir ängstlich sind oder faul. Wenn wir selbstzufrieden sind oder egoistisch. Dann wird Gott sauer. Dann schmeisst er uns raus, bzw. er lässt uns gar nicht erst rein in den Himmel.
Eigentum verpflichtet! Talent darf nicht vergraben werden. Was wir haben und besitzen, wir sollen es einsetzten und nutzen im Sinne des Herrn, von dem es kommt und dem wir einmal Rechenschaft darüber ablegen müssen, wenn es für uns heisst: Zahltag! ________________________________________

Wie kann das aussehen? Ich mach es an einem Beispiel konkret, dass mich aktuell sehr beschäftigt: Als Christen, als Kirche hier in Hünenberg, sind wir sehr privilegiert. Wir sind bestens finanziert. Wir sind eine grosse und starke Gemeinschaft aus Freiwilligen und Hauptamtlichen. Wir alle sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes. Da ist viel Talent, viel Vermögen. Aber daraus erwächst auch eine hohe Verpflichtung, unsere Talente/Silbergeld gut zu investieren. Wir sollen, wie es beim Propheten Jeremia (Jer, 29,7) heisst, das Beste geben für Gott und die Menschen und die Stadt, in die er uns gesandt hat.
Jetzt, wo Advent und Weihnachten so ganz anders gefeiert werden müssen, heisst das:

  • Wir haben Zeit und Mut. Also machen wir es wie Gott. Wir kommen zu den Menschen in ihr Quartier – überall dahin, wo man uns einlädt Und da feiern wir Weihnachten. Wir investieren uns zum Wohl der Menschen und zum Lobe Gottes.
  • Wir haben auch ein bisschen Geld und gute Kontakte. Ergo arbeiten wir jetzt vermehrt mit Musik- und Kunstschaffenden zusammen. Wir bitten sie: «Helft uns die Botschaft Gottes zu verkünden.» Der will nicht nur zu wenigen kommen, sondern zu maximal vielen. Indem wir andere mit Aufträgen unterstützen, ernten wir zusätzliche Kreativität um die Weihnachtsbotschaft zu verkünden.
  • Wir haben aber noch mehr. Wir haben auch viel Mitgefühl für Menschen in Not. Das möchten wir investieren in Solidarität. Wir sind und bleiben ansprechbar im Dorf. Und wir agieren auch über unseren Tellerrand hinweg, unterstützen das Kinderspital in Bethlehem und unsere Glaubens-Schwestern in Tansania.


Wir merken: Wir haben so viel Power und so viele Möglichkeiten. Das möchten und müssen wir nutzen - von Jesus her.

Schauen wir nochmal auf das Ende unseres Gleichnisses: Jesus klingt ja erst einmal komisch und ungerecht. «Wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.» Wie meint Jesus das?
Für mich heisst das: 1. Ich rechne grundsätzlich damit, dass Gottes Logik eine andere sein könnte, als meine. 2. Wenn ich meine Talente einsetzte, dann werde ich reich belohnt. 3. Vergrabe ich aber mein Talent, behalte ich alles für mich, dann bin und dann bleibe ich auf ewig ein armer Tropf. Ist das gemein? Ich meine nicht.
Ich glaube nicht, dass Jesus mir plump Angst machen will. Angst vor Strafe wäre keine tragfähige Motivation.
Nein, ich fühle mich von Jesus ermutigt. Es stimmt doch: Ich kann doch was und ich habe viel. Und ich mache ja die Erfahrung, dass mir das was bringt, wenn ich mich einbringe. Es ist nicht nur für die anderen gut. Es macht auch mich umgehend «reich», weil es mich erfüllt mit Sinn. Ich erlebe, dass ich zu was gut bin. Das tut auch mir gut. Das macht mich froh. Es macht mein Leben zu einem Fest – jetzt und scheinbar auch dann, später – wer weiss wann - wenn es für mich mal heisst: Zahltag!

(Christian Kelter, Hünenberg, 15.11.2020)