Predigtnachlese
 
 
Und hier stellen wir gerne die Predigt von Gemeindeleiter Christian Kelter als Podcast zur Verfügung.
 
 
 

«Was suchst du?»
Jesus macht dir seine Türe auf!

Evangelium: Mk 1, 35

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Eine Wohnung verrät wahnsinnig viel über den, der dort wohnt. Bei mir liegen zum Beispiel überall Bücher herum. Du willst wissen, was? Nun, aktuell gerade: «Fratelli tutti». Das ist das Schreiben von Papst Franziskus über seine Vision eines geschwisterlichen und sozialen Miteinanders. Da lese ich immer einen kleinen Abschnitt drin. Den nehme ich dann als Inspiration mit in den Tag. Oder auch eine Biografie über den Philosophen Hegel. Der hätte letztes Jahr seinen 250. Geburtstag gefeiert. Ein spannender Typ. Der hat damals schon Sachen gedacht hat, die heute höchst aktuell sind. Neben dem allem liegt aber auch der neue Erzählband von Peter Stamm. Den lese ich immer, «wenn es dunkel wird.» Denn so heisst er, und er erzählt wunderbare kleine Geschichten. arno smit ii72r3gswwy unsplash
Ich lese, weil ich ein bisschen süchtig bin nach Wissen. Es gibt so vieles, was mich interessiert und begeistert. Aber das ist nicht alles. Ich lese vor allem auch, weil ich so eine Sehnsucht in mir habe. Ich vermute, die ist unstillbar. Die hört nie auf. Die drängt mich immer weiter. Im Endeffekt – so erkläre ich mir das – ist das eine Sehnsucht nach Gott. Ein Verlangen nach Vollendung, nach Ewigkeit. Das spüre ich ganz fest.
Ich fühle mich von der gleichen Frage herausgefordert, die Jesus heute im Evangelium stellt: «Was sucht ihr? « Tja, was suche ich?
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Aber ich rede nur von mir. Was ist denn mit dir? Suchst du auch nach etwas? Ist da was, nach dem auch du Ausschau hältst - bewusst oder irgendwie unterbewusst? Bist du auch immer mal unzufrieden, ruhelos, äusserlich und innerlich regelrecht genervt und frustriert?
Ich vermute ja, vielen geht es ähnlich wie mir. Ich kann mir die viele Extremmeinungen in der Welt kaum anders erklären. Diesen oft so blinden Glauben an politische Programme oder wirtschaftliche Systeme. Diesen Konsumrausch. Diesen Schrei nach ewigem Wachstum. Das Verdrängen von Krankheit und Tod aus der öffentlichen Wahrnehmung. Da zimmert sich die angeblich säkulare Welt einfach nur neue Götzen zusammen.
Nein, ich suche eigentlich etwas ganz anderes. Einen Sinn, der über eine oberflächliche Zufriedenheit hinausreicht. Ich habe eine Sehnsucht nach dem, was wirklich mein Herz berührt, es ruhig macht, so wie es letztlich wohl nur Gott tun kann. Kein Mensch, schon gar kein System, keine Ideologie können mir geben, was ich letztlich suche. Das kann nur Gott!
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Im Evangelium heute fragen einige Leute Jesus: «Wo wohnst du?» Soll heissen: Jesus, wie bist du? Wie tickst du? Was machst du? Weil eine Wohnung ja so viel aussagt. Und Jesus antwortet: «Kommt und seht!» Jesus lädt also quasi ein, zur Hausbesichtigung. Jesus möchte ihnen – und also auch uns – sein inneres Haus aufschliessen. Wir dürfen sehen, wer er ist und wie er ist.
«Kommt und seht!» Das möchte ich, im Sinne von Jesus, auch heute noch allen zurufen. All denen, die da suchen, ideologisch umherirren, sich flüchten in Extreme und die wohl trotzdem und eh nicht finden werden. Ich möchte ihnen Jesus vorschlagen. «Schau doch mal bei ihm. Guck doch mal rein.» Das geht ja. Jesus ist offen. Er akzeptiert sogar deine Unverbindlichkeit.
Wer sieht, wie es in der Bibel weitergeht mit Jesus, der sieht und hört viel. Der sieht und hört eigentlich schon alles. Denn Jesus sagt später ja: «Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.» (Joh 6, 35) Das ist es! Jesus ist der eine und einzige, der unsere Sehnsucht stillen kann. Er (nur er!) kann in einen Zustand führen, der dann wirklich tiefe Zufriedenheit ist – echtes Zuhause und Beheimatet-sein.
Die Leute haben diese Erfahrungen mit Jesus offensichtlich gemacht. Es heisst: «Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm.» Glauben heisst ja nicht nur Worte anhören. Glauben heisst, Erfahrungen machen. Es braucht die konkrete Erfahrung, wie sich ein Leben mit Gott anfühlt: Mehr Solidarität, mehr Gemeinschaft, weniger Verurteilen, weniger Egoismus. Schlicht: Mehr Liebe, mehr Frieden, mehr Zukunft!
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Später berichten sie dann ihren Bekannten und Freunden: «Wir haben den Christus gefunden», das heisst den Gottessohn. Den Heiland der Welt. Er stillt für immer unseren tiefsitzenden Hunger und Durst.»
Das ist auch noch so was, was ich suche: Sich für den Glauben an Jesus entscheiden, muss jede und jeder ja selbst. Dann kann uns niemand abnehmen.
Aber einander unterstützen und helfen, das können wir. Ja, ich finde, das müssen wir sogar. Auch im Evangelium sind die Leute ja immer mindestens zu Zweit unterwegs. Glauben allein ist Mist! Das geht nicht! Das bleibt immer Stückwerk. Aber zusammen kommt man weiter. Dann kann man sich zur Not wechselseitig führen und unterstützen. Da spürt man dann im miteinander Suchen schon ein anfängliches Stück Erfüllung.
Könnten wir doch auch machen! Was meinst du? Ich mach den Podcast auf!
Schreib mir doch mal? Darüber, was du suchst. Oder was du schon gefunden hast. Vielleicht hast du eine heisse Spur, wie wir Jesus noch besser kennenlernen können. Ich wäre gespannt! Mal sehen, was wir draus machen können.
Schreib mir über Facebook oder Twitter. Meine E-Mail-Adresse findest du ausserdem auf der Homepage der Pfarrei Heilig Geist, Hünenberg: «Was suchst du?»

(Christian Kelter, Hünenberg, 17.01.2021)