Predigtnachlese
 
 
Und hier stellen wir gerne die Predigt von Gemeindeleiter Christian Kelter als Podcast zur Verfügung.
 
 
 

«Kopf hoch, Krone richten!»
Warum Gott für dich den Unterschied macht

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Na, wie lebst du? Also, ich meine: Wie geht’s dir? Warum ich das frage? Nun, ich habe diese Woche ziemlich viele Leute getroffen, die den Corona-Blues haben. Ehrlich gesagt, ich hab ihn auch ein bisschen. 

Ich meine, man wird doch irgendwie nachdenklich. Was macht mein Leben aus? Wer bin ich wirklich? Und was brauche ich, um gut leben zu können?

Das sind alte aber gute Fragen. Und die Menschen aller Zeiten stellen sie immer mal wieder. So zum Beispiel auch vor 2000 Jahren:
Das Alltagsleben im römischen Reich, war geprägt durch das Konzept «panem et circenses», «Brot und Spiele». Die Herrscher wussten: Wer genug zu essen hat und ein bisschen Spass und Zeitvertreib, der kommt nicht so schnell auf dumme Gedanken. Wenn du mal in Rom warst, kennst du sicher das Kolosseum. Das war eine grosse Arena für circensis (Zirkus), eine Spassarena. So waren alle beschäftigt, sie hatten es lustig und keiner kam auf die Idee, die politische Ordnung zu hinterfragen. Brot und Spiele, ein mega einfaches Konzept! Der Mensch kann unfassbar anspruchslos sein.

Und irgendwie auch heute noch: Solange wir shoppen gehen können, ein bisschen in die Ferien fahren, Partymachen ist doch alles gut. Ich ticke oft ja auch so.
Aber eigentlich, hey, dass bin doch nicht schon ich! Ich bin doch noch viel mehr! Und ich bin doch auch noch ganz anders! So einfach gestrickt bin ich nun doch nicht. Und du sicher auch nicht!caroline veronez 3ftlb zuhg4 unsplash

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Das haben sich Menschen vor 2000 Jahren auch schon gedacht. Vielen genügte das nicht: Brot und Spiele. Sie wollten dann doch noch ein bisschen mehr im Leben. Sie suchten etwas, was wirklich relevant ist. Sie wollten an mehr glauben, als an Konsum und Fun.
Sie hatten so ein Reissen, eine Sehnsucht. Sie suchten nach sich selbst, nach Liebe und nach Sinn. Der Mensch muss doch einen Wert haben – unabhängig von dem, was er darstellt, was er leistet, wie er aussieht und wie es ihm geht.

Die Menschen suchten im Endeffekt nach Gott. Und sie fanden Antwort und Perspektive in dem, was Jesus von Nazareth ihnen vorgelebt hatte. Sie nannten das Evangelium (Frohe Botschaft).
Und diese Botschaft lautet: Du bist noch etwas ganz anderes und viel mehr als deine Leistung, als deine gesellschaftliche Position. Du bist zuerst einmal Gottes geliebtes Geschöpf.
Gott liebt dich um deiner selbst willen. Gott verfolgt keine Absichten mit dir. Er liebt dich, weil du bist. Es gibt bei Gott keine Vorleistungen, die du erbringen musst. Und es gibt keine Bedingungen, die du erfüllen musst!
Wenn du das glaubst, dann bekommt dein Leben nochmal eine ganz andere Dimension! Das war’s! Das machte dann so richtig den Unterschied.

Der Glaube an Jesus Christus und die Zugehörigkeit zur Gemeinde der Christen wurden ein extrem attraktiver Gegenentwurf zum Mainstream-Leben, das eben vor allem in Brot und Spielen bestand, im Einerlei des Alltags und in der Routine des fortwährenden Müssens und des grösser, höher, schöner, weiter. Das Christentum war ein Kontrapunkt. Es war die hippe Alternative schlechthin!
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Und Christ wurde man durch die Taufe. Auf die musste man sich ein Jahr lang vorbereiten. Am Tag der Taufe legte man dann alle Kleider ab. Nicht nur, weil man in ein Becken stieg und unter Wasser getaucht wurde. Man legte mit den Kleidern symbolisch auch das alte Leben ab. Das Oberflächliche eben, den Schein, die Illusionen: Das legte man alles ab.
Und das Untertauchen symbolisiert nichts anderes als Sterben. Der alte Mensch stirbt. Du wirst als neuer Mensch geboren. Heutzutage werden Kinder bei der Taufe nur noch mit wenig Wasser übergossen. Da ist die Bedeutung kaum noch verständlich.
Dass du mit deiner Taufe ein bisschen gestorben bist. Dass du abgelegt hast, was sterblich ist. Nicht mehr Brot und Spiele, Erfolg, Leistung und Spass geben deinem Leben den letzten Sinn. Gott ist vielmehr der erste und der letzte Sinn deines Lebens!

Als die Täuflinge nach der Taufe aus dem Wasser stiegen bekamen sie ein neues Kleid. Das Taufkleid heisst: neues Leben. Du hat durch die Taufe quasi Jesus angezogen. Er ist dir auf ewig so nah, wie dieses Kleid.
Und die frisch Getauften wurden mit feinem Öl gesalbt. Das nennen wir heute Firmung. Mit dem Öl sollst du spüren: Ich bin ein neuer Mensch. Ich gehöre zu Gott. Ich bin von Gott geliebt. Und ich bin deshalb unendlich wertvoll.

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Also, ich komme noch mal auf den Anfang zurück. Ich weiss nicht, wie du jetzt gerade alles erlebst. Vielleicht macht dich diese Zeit ja auch nachdenklich. Vielleicht fragst du dich auch, um was es in deinem Leben eigentlich geht, was wirklich zählt und wer du bist und was dich im Tiefsten ausmacht. Es ist doch so: Vieles ist doch tatsächlich verdammt relativ und ziemlich vorläufig.

Und trotzdem und gerade deshalb gilt auch für dich: Deine Taufe verbindet dich auf ewig mit Gott und mit der Gemeinschaft der anderen Christen. Du bist Gottes geliebtes Geschöpf! Du bist viel mehr, als das was du kannst und leistest! Du bist geliebt – einfach, weil du bist! Keine Krankheit, kein Unglück, kein Misserfolg schmälern deine unglaubliche Würde!

Gott steht dafür ein. Gott bürgt dir dafür. Also komm: Kopf hoch! Krone richten! Lass uns mutig in die Zukunft schauen!

Hünenberg, 31.1.2021, Christian Kelter