Predigtnachlese

Was bringt's, wenn wir den Sommer suchen?
Für viel Stutz „Karibik" buchen?
Dubai als Ziel der Träume nennen,
jedoch im Alltag uns verrennen?
Würd es nicht vielleicht rentieren,
statt dem in anderes zu investieren?

Lasst uns doch gemeinsam schauen,
worauf wir unser Leben bauen.
Der Eichvater ist vom Fach.
Gell, Mauro, auch ihr beginnt nicht mit dem Dach. 
Zuvorderst steht – dass keiner dies verkennt -
die Frage nach dem guten Fundament.

Was brächte denn Tag aus Tag ein
ins Leben uns mehr Sonnenschein?
Wie könnten alle sich verstehen,
und doch auch eigene Wege gehen?
Was bräucht' es, dass die ganze Welt
ein bisschen mehr zusammenhält?

Gerecht sein, Masshalten, Barmherzigkeit.
Ich glaube, damit bringt man es weit.
Sich helfen, aufbauen, statt niedermachen.
So haben wir alle dann gut lachen.
Klug handeln für ein gesundes Klima.
Dann geht es allen Menschen prima.
Das Leben lieben! Auf Gott hoffen!

Mit anderen auf Augenhöhe – offen,
Respekt für alle Menschen üben,
seien sie von „hier" oder von „drüben"!
Solidarisch diese Welt gestalten
und nicht bloss unser Wohl verwalten!

Nicht nur nach Sensationen lechzen.
Und achtlos andere verletzten.
Erst einmal denken, im Zweifel schweigen,
das nennt der kluge Mensch sein Eigen.
Zu Fehlern stehen und um Vergebung fragen, 
statt Illusionen nach zu jagen.

Ich würd mir wünschen, liebe Leut',
wir übten uns in Grosszügigkeit.
Habt Mut zum Unvollkommen-sein!
So kommt ihr den Himmel rein.
Christus ist unser aller Anwalt.
Die Kirche keine moralsche Anstalt.

Schaut her: wir hörten grad von einem,
der war nicht mit sich selbst im Reinen.
Jesus geht trotzdem auf ihn zu.
Das heilt den anderen dann im nu.
Gott ist der Richter und der Lenker.
Er braucht uns Menschen nicht als Henker.

Zur Fasnacht, das ist doch kein Witz,
darf jeder so sein, wie er ist.
Das ist doch schön und wunderbar.
Und könnt doch fortdauern im Jahr.
Wir dürften frei das Leben wagen,
und müssten keine Masken tragen.

Wenn das gelingt, darauf ich hoff,
haben seltener wir ein Brett vorm Kopf.
Dann haben wir auch in unseren Breiten,
nen Horizont, nen schönen, weiten.
Dann heisst es stolz: „Die haben's erfunden!
Hünenberg hat die meisten Sonnenstunden!"

Nun hab ich euch, ihr Jungen und Alten,
vielleicht den Spiegel vor gehalten.
Das ist der Narrenrede Sitte.
Doch hab ich jetzt noch eine Bitte:
Bedenkt, was ich hier kritisch hab bericht',
gilt selbstverständlich auch für mich.

Und dass ihr mich nicht steinigen tut,
ist's mit der Predigt nun genug.
Zwar darf die Predigt vieles sagen,
es sollte nur nie jemand wagen,
in allem Ermutigen und Streiten
das zeitlich Mass zu überschreiten.

Drum zieh ich mich zu euren Glück,
von diesem Ambo nun zurück.
Jetzt lasst uns beten und Gott loben,
denn der ist nicht im Himmel droben.
Er ist bei uns – drum tut net böckle,
ihr dürft ihn preisen auch mit glöckle.

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