Predigtnachlese

Wir feiern Eucharistie – aber nicht mit allen. Aber: wir feiern Eucharistie – für alle! Es sind – auch damals - nur wenige, die feiern. Es sind die Zwölf. Es sind die engsten Freunde, die feiern, die, die auf Jesus hoffen, die bereit sind, in dieser Nacht sein Innerstes, sein Heiligstes zu schauen. Das Letzte Abendmahl ist anders als die öffentlichen Reden Jesu und als seine Zeichen- und Wundertaten. Die waren für das breite Publikum, für die Neugierigen und die Schaulustigen, für die Skeptiker und beiläufig Interessierten. Das Mahl im Saal ist intimer und der Weg dorthin ist enger.

Die Zwölf, die mit Jesus feiern, sind seine Freunde, sind eng mit Jesus verbunden. Aber diese Verbindung, diese Freundschaft, rührt nicht daher, dass sie besonders fromm, tugendhaft und frei von Schuld gewesen wären. Im Gegenteil: Diese Zwölf sind keine Helden des Glaubens. Weder Judas, der ihn in dieser Nacht verraten wird und auch nicht die anderen. Sie sind allesamt unsichere Zeitgenossen, „Kleingläubige“, wie Jesus sie selbst nennt. Es sind Menschen, derer sich Jesus angenommen hat, die er in seinen Dienst genommen hat und von denen er sich nicht mehr abwendet – nie mehr – auch nicht, wenn sie ihn verraten. Jesus feiert sein Mahl mit Kleingläubigen und Versagern. So wie er es schon oft getan hat mit Ausgesonderten, mit Zöllnern, Sündern und Prostituierten. Das Mahl mit ihm ist nicht Belohnung, ist nicht Auszeichnung, es ist ein Erbarmen und Barmherzigkeit, es wirkt Vergebung, Heilung und Nähe. Jeder also, der Eucharistie feiert, bekennt mit dieser Feier dass er ein Sünder ist. Er bekennt aber auch, dass er sich von Jesus geliebt weiss, trotzdem und gerade deshalb.

Jesus feiert mit den Zwölf. Und diese Zahl ist Programm. Sie steht symbolisch für die zwölf Stämme Israels. Jesus meint nicht nur ganz Israel, Jesus meint die ganze Welt! Alle bedürfen der Vergebung und Heilung und alle sind für diese Rettung bestimmt! Dass Jesus mit den Zwölf feiert heisst also auch, dass er auch mit denen feiert, die nicht im Saal sind. Alle Menschen aus allen Völkern sind von Gott zum Fest des Lebens eingeladen. Wie das geschehen kann, dass die Eucharistie nicht nur für die Vielen gefeiert wird, sondern auch mit den Vielen, zeigt eindrücklich die Fusswaschung. Indem wir das Evangelium leben, mit Wort und Tat, nehmen wir unsere Sendung war. Die Eucharistie heisst landläufig Messe – nach dem lateinischen Schlussruf (ita missa est = Gehet hin in Frieden). Eucharistie ist Messe ist Sendung in die Welt. Tun wir das jetzt zu seinem Gedächtnis.

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