Predigtnachlese

Darin geht es um die Welt, um die Natur und das menschliche Zusammenleben. Laudato si beschreibt die aktuelle ökologische Krise aber auch ihre sozialen Folgen. Es geht um den Klimawandel, um Klimaerwärmung, um den Raubbau an unseren Lebensressourcen, die Abholzung der Urwälder, um Überfischung, die Verschmutzung der Meere, Seen und Flüsse, um das Abschmelzen der Gletscher und Vieles mehr. Das alles gefährdet die Zukunft unseres Lebens. Und schon jetzt hat es weitreichende Auswirkungen.

Die Leidtragenden sind zuerst einmal die Armen, vor allem in den Ländern des Südens. Sie sind am meisten von den Klimakatastrophen betroffen. Die ökologische Frage ist nämlich untrennbar verknüpft mit der sozialen Frage. Laudato si ist ein Appell an uns alle, diese Auswirkungen der ökologischen Krise auf die Menschen und besonders auf die Armen ganz bewusst in den Blick zu nehmen.

Der Papst vertritt dabei die These, dass die Finanzindustrie inzwischen unser ganzes Leben bestimmt. Die Politik ist in vielen Fällen nur ihr Handlanger. Der Mensch und die Natur werden der Wirtschaftsordnung untergeordnet. Banken werden gerettet, Menschen aber nicht.

Der Raubbau, den wir in den Ländern des Südens betreiben, wirkt sich aber aus – auch bei uns. Seine Folgen sind nicht nur Klimaveränderungen, sondern auch Armut und damit verbunden Flüchtlingsströme. Wie ein Bumerang kommen die Folgen unserer Sünden zu uns zurück.

Obwohl die Enzyklika allerorten gelobt wird, wird sie erstaunlicherweise in der Schweiz fast totgeschwiegen. Vielleicht ist das auch kein Wunder. Denn was Papst Franziskus schreibt, steht diametral dem entgegen, was die bürgerliche Politik hierzulande vertritt. Während bspw. der Gouverneur von Kalifornien diese Woche sagte er hoffe, dass „Laudato si“ von möglichst vielen Menschen gelesen werde, wird die Enzyklika bei uns von niemandem erwähnt. Versucht man sich so unliebsame Themen vom Leibe zu halten? (Hier hat mich die Predigt von Pfr. Erich Guntli beeindruckt und beeinflusst, die er am 12. Juli 2015 gehalten hat und die man auf seinem facebook-Profil nachlesen kann.)

Achtsamkeit, Ganzheitlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität mit allen Menschen. Darum geht es aber auch in den heutigen Lesungen und im Evangelium. Gott ist der Schöpfer und Herr der ganzen Welt. Uns Menschen hat er die Aufgabe übertragen, zu schützen, zu teilen und die Einheit der Schöpfung zu wahren.

Dahinter können wir nicht zurück. Wir dürfen uns das nicht vom Leibe halten. Wir dürfen uns nicht Christen nennen, wenn wir uns nicht dazu bekennen wollen und uns nicht mit unserer ganzen Kraft dafür einsetzten, dass die Welt, unser gemeinsames Haus, auch für alle Menschen gleichermassen bewohnbar ist. Deutlich wie nie sagt der Papst: Wer auf Kosten der anderen lebt, wer nur herrschen, geniessen und konsumieren will aber nicht willens ist, mit der Menschheitsfamilie zu teilen, der darf sich nicht Christ nennen.

Wir haben nur diese eine Welt. Wir haben nur dieses eine einzige Haus. Klar: im Kanton Zug wohnen wir in der Attikawohnung. Es darf und kann uns aber nicht egal sein, wenn im gemeinsamen Haus der Welt scheinbar doch kein Platz für alle ist.
„Da können und dürfen wir als Bel-Etage nicht drüber hinwegsehen, auch wenn wir uns aktuell noch recht wohlfühlen. Das Erdgeschoss ist aber längst vermüllt, die Luft wird stickig, der Keller steht unter Wasser. Und wir schieben anderen die Schuld zu. Es ist wie so oft: Der Bauunternehmer verweist auf den Architekten, der Architekt auf die Bank, die Bank auf den Bauherren. Derweil ertrinken die Kellerkinder. Und die Bewohner der Attikawohnung wollen sich nicht sagen lassen, dass sie das etwas angeht. Sie wollen nicht verzichten für die da unten.“ (Christiane Florin zitiert den Papst so in ihrer Einführung in die Enzyklika in der Fassung des katholischen Bibelwerks.)

Wenn es sonst niemand sagt, dann werden wir das als Kirchen sagen. Wir werden auch künftig nicht schweigen. Die Zukunft der Welt ist schon lange keine Frage der politischen Gesinnung mehr. Es ist eine Frage des Menschseins und des Christseins. Und das sind wir alle (hier).

Schätzen und schützen wir unser gemeinsames Haus. Denken wir miteinander darüber nach, reden wir und handeln wir. Und beten wir dafür.

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