Predigtnachlese

Glück muss also mehr sein, als Haben und Erreichen, als satt und versorgt zu sein.
Das Thema Glück kommt auch in der Bibel vor. Und selbst Jesus hat sich Gedanken zum glücklich sein gemacht. Das Glücksverständnis der Bibel hängt an dem griechischem Wort „makarios“ – was so viel heisst wie glücklich und selig. Dieses Wort – oder besser gesagt, dieser Zustand, war in der griechischen Sprache eigentlich den Göttern vorbehalten. Glücklich zu sein ist der göttliche Zustand – der vollkommenen Freiheit, dem Ganz-sein, das im Einklang mit sich selbst sein und die Unabhängigkeit von den Dingen der Welt. Genau dieses Wort nutzt Jesus wenn er von glücklichen Menschen spricht. Um Jesu Glücksbegriff zu verstehen, helfen uns zwei Sätze von ihm „Glücklich sind die, die Gottes Wort hören und es befolgen, Glücklich sind die, deren Augen sehen, was ihr seht.“ Für Jesus ist der Mensch ein glücklicher, der ihn kennt, der ihn versteht und sich nach seinen Worten richtet. Nach Jesus ist das persönliche Glück – also mein Glück, meine Freiheit und Unabhängigkeit davon abhängig ob ich auf ihn höre, ob ich die Begegnung mit ihm suche und ob ich sein Wort befolge. Jesu Glück hat nichts mit Happyness, Wellness, Gesundheit oder Besitz zu tun, sondern es geht um ihn, um die Begegnung mit ihm und dem Leben in und aus ihm.
Um dem Jesus-Glück etwas näher zu kommen helfen uns die Seligpreisungen, denn sie werden konkret mit der Antwort wie das geht – Jesus zu folgen.

Er sagt: Glücklich sind die im Geiste Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. Armut in jeder Hinsicht hat mit Bedürftigkeit zu tun. Jesus war sich seiner Bedürftigkeit bewusst – seiner Abhängigkeit von Gott. Er, der selbst Gott war, hat sich immer wieder zurückgezogen um Gott nahe zu sein. Dem Himmelreiche nahe, sind wir, wenn wir aus diesem Wissen leben, dass wir von Gott abhängig sind, dass es seine Nähe ist, die uns letztendlich erfüllt.

Glücklich sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Trauer ist das Leid, dass wir empfinden wenn ein Mensch gestorben ist. Wir trauern aber auch um verpasste Chancen, um Dinge die nicht so sind, wie wir sie gerne hätten. Wenn wir trauern, dann wird uns bewusst, dass unser Leben hier auf der Erde nicht unendlich ist, dass wir nicht alles in der Hand haben, dass unser Wollen und Können begrenzt sind und manche Lebensträume nicht erfüllt werden. Es ist wichtig, dass wir das Trauern aushalten, keinen billigen Trost suchen oder uns mit Arbeit ablenken oder Alkohol betäuben. Diese Seligpreisung mag uns Mut machen, dass wir das Leben mit den Höhen und vor allem auch mit den Tiefen annehmen und ertragen. Jesus ist auch hier realistisch – Trauer gehört zum Leben in Fülle dazu. Doch er spricht auch von Trost. Er selbst ist der Trost, der uns beisteht und uns hilft.

Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden. Das Jesus Gerechtigkeit ein wichtiges Thema war ist uns allen klar. Er benutzt diese grundlegenden Gefühle von Hunger und Durst um uns die Wichtigkeit zu zeigen – wer Hunger hat, der sitzt nicht rum und wartet, wer Durst hat, der bleibt nicht tatenlos, er Handelt. So sollen wir uns auch um Gerechtigkeit kümmern, nichts hinnehmen was ungerecht ist, sondern unsere Stimme erheben und vor allem tätig werden.
Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Hier geht es um eine Herzenshaltung. Jesus hat sich von den kleinen, den Armen, den Ausgestossenen und Sündern innerlich berühren lassen. Er preist die selig, die ihr Herz nicht verschliessen, die Mitleid und Betroffenheit zeigen für das Leid der anderen Menschen, die mitleiden – und tätig werden. Jesus hat den Menschen zugehört – und er hat gehandelt. Das fordert er auch von uns.
Glücklich sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgten, denn ihnen gehört das Himmelreich. Jesus wurde wegen seiner Worte und seinen Taten verfolgt, gehasst und hat schliesslich weil er seiner Botschaft treu geblieben ist, mit seinem Leben bezahlt. Für uns die wir ihm nachfolgen, zeigt er ein realistisches Bild. Wer sich wirklich für sein Reich einsetzt, der wird nicht nur Applaus und Zustimmung ernten, sondern Unverständnis, Ausgrenzung – und in manchen Ländern Verfolgung, Folter und Tod.

Armut, Hunger, Durst, Mitleid haben müssen, Verfolgung erleiden und Trauern – das alles sind Worte, die ich normalerweise mit Glück nicht wirklich in Verbindung bringen würde. Doch wenn Jesus von Glück und Seligkeit spricht, dann sind das andere Dimensionen. Wenn wir uns auf sein Glück einlassen, dann verschwimmen unsere Träume von Zufriedenheit und Wellness und machen der Vision vom Reich Gottes Platz. Was nicht heisst, dass ein Wellnesswochenende nicht mehr drin liegt – aber es bekommt einen anderen Stellenwert.
Jesus macht uns immer wieder Mut uns auf ihn und seine Vision einzulassen – und Mut braucht es, denn sein Weg, sein Glücksweg ist kein einfacher. „Sorgt euch nicht - Euch muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

photo credit: reaping | 4. Bible via photopin(license)